Ich gebe mir die Schuld, weil ich im neuen Job Zeit brauche, um mich rein zu fuchsen. Fühle mich zu langsam und vergesse einfach mal, dass ich einen Berg von Wissen erklimmen muß. Und dass ich keine 20 mehr bin. Mein Lebenstacho zeigt inzwischen 48 an. Da lernt man einfach langsamer. Niemand setzt mich unter Druck. Nur ich mich selbst. Was sich auf meine Gesundheit niedergeschlägt. Aktuell Ischias. Weil ich einfach jegliche Anspannung in den Rücken gepackt habe. All das führt zu Vorwürfen an mich selbst. Krank sein in der Probezeit will man ja tunlichst vermeiden.
Abseits der Arbeit mache ich gerade nichts mehr, was mir wirklich Spaß macht. Ich scrolle durch Social Media und vergleiche mich mit den Leuten im Internet. Was absolut tödlich für das eigene Selbstbewusstsein ist. Oder wie es Kierkegaard so schön sagte: 'Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit'. Ich versuche mir selbst zu sagen, dass ich in Ordnung bin, aber da ist diese laute Stimme, die alles andere übertönt. 'Du bist eben nicht gut genug'. Um mich diesem Gefühl nicht zu stellen, ersticken ich das alles mit Essen. Aber um ehrlich zu sein, fühle ich mich danach noch schlechter. Emotional, aber besonders körperlich. Meine Knie sind belastet und ich spüre das deutlich. Ich kann das nicht mehr ignorieren. Es ist nicht nur der Meniskusriss, der meinem rechten Knie zusetzt, es ist das Gewicht, was den Innenmeniskus an beiden Knien reizt. Ich schaffe es immerhin, wieder wöchentlich zum Sport zu gehen. Aber auch da schreit eine Stimme 'Das ist nicht genug'. Wann hat mich diese ganze Unsicherheit wieder so heftig erwischt. Ich war da mal drüber hinweg und habe mich ganz gut gefühlt. Aktuell bin ich ein einziges Mängelexemplar. Aber ich versuche, nicht aufzugeben. Weil der Mann immer für mich da ist. Und weil es da draußen immer noch eine Hand voll Menschen gibt, die mir etwas bedeuten. Und denen ich das aktuell viel zu selten sage oder zeige.
Ich habe ein paar Dinge, die ich mal wieder mehr umsetzen möchte. Und ich will in den nächsten Monaten gut zu mir sein. Kein Optimierungswahn, aber einfach auf mich aufpassen. Die Dinge tun, die ich liebe. Mehr Zeit außerhalb des Internets verbringen und meine Nase in gute Bücher stecken. Mehr Serien gucken und besser essen. Und vielleicht auch endlich mal wieder mein Pilatesgerät entmotten.
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