15.07.2026

15/07/2026

Wo fange ich an? Es ist gesundheitlich so viel passiert, dass es mir schwer fällt an alles zu denken. Anfang Mai bekam ich einen Ausschlag in meinem Intimbereich (sorry TMI), bei dem ich davon ausging, dass es ein Pilz ist. Dieser wurde von mir auch so behandelt und verschwand. Für ungefähr eine Woche. Dann kam das ganze genauso heftig zurück. Ich habe es wieder behandelt und bin dann im Juni erstmal in den Urlaub gefahren. In dem es mir insgesamt nicht so gut ging. Es war sehr schwüles Wetter und das macht auch an der Ostsee keinen Spaß. Als der Mann und ich wieder zurück waren, machte ich mich auf die Suche nach einer neuen gynäkologischen Praxis. Ich fand eine in meiner Heimatstadt und am ungefähr heißesten Tag des Jahres fuhr ich früh morgens zur Akutsprechstunde. Wurde wahnsinnig nett aufgenommen und untersucht. Da ich wirklich sehr lange nicht mehr zur Vorsorge war (ich nenne jetzt hier kein ungefähres Jahr, weil ich mich selber schäme)., hat der Arzt auch diese gemacht. Und mich vorab gefragt, ob ich eventuell Diabetes hätte. Was ich verneint habe.
Beim Ultraschall zeigte sich, dass meine Gebärmutter vergrößert ist. Da der Gynäkologe nicht mehr erkennen konnte, hat er das örtliche Krankenhaus kontaktiert, damit ich direkt zur Untersuchung vorbeikommen kann. Und etwas gegen den Ausschlag habe ich auch bekommen. Er sagte mir auch, dass er sich später auf jeden Fall nochmal melden würde, um zu hören was im Krankenhaus festgestellt wurde. Durch ihn wurde ich schon auf eine eventuelle Ausschabung und Entfernung der Gebärmutter vorbereitet. Im Krankenhaus angekommen, würde sich sofort um mich gekümmert. Mit dem Resultat, dass meine Gebärmutter durch Myome vergrößert ist. 5 Querfinger über meinem Bauchnabel. Am linken Eierstock sei eine Einblutung erkennbar. Ob ich nie was gemerkt hätte? Lässt mich dazu folgendes sagen. Man verneint erstmal. Meine letzte Periode war im November 2025, also nein, keine weiteren Auffälligkeiten. Dann beginnt man nachzudenken. Ich erinnere mich zuletzt an 2 Perioden, in denen ich vor Schmerzen weinend auf der Toilette saß und das Gefühl hatte, ich würde etwas gebären. Menstasse alle 30 Minuten wechseln. Schon länger nicht mehr richtig auf dem Bauch liegen können. Im Krankenhaus wurde erstmal eine Ausschabung geplant und dann auch direkt die OP. Plan war: Dienstag ambulant die Ausschabung, Mittwoch Aufnahme, Donnerstag OP. Mein Gynäkologe hat mich mittags angerufen und gefragt, wie die Situation ist. Ich habe ihm alles erklärt und mich bedankt, weil er sich so gut um mich gekümmert hat, obwohl ich Neupatientin bin. Und ich weiß jetzt auch, dass ich bei ihm in der Praxis bleibe. 
Am Wochenende vor den Eingriffen bekam ich in der Nacht von Samstag auf Sonntag Halsschmerzen. Da ich immer wieder mit Reflux kämpfe, habe ich mir auch nichts gedacht, als ich heiser wurde. Der Mann hat mich zur Ausschabung begleitet und der Eingriff verlief ohne Komplikationen. Das entnommene Gewebe enthielt keine Auffälligkeiten, soweit die guten Nachrichten. Am nächsten Tag dann also Aufnahme im Krankenhaus, fast keine Stimme mehr. MRT unterbrechen müssen, weil der Hustenreiz so schlimm ist. Aufklärung über die OP. Als der Mann abends kommt, heule ich. Ich habe Angst vor diesem riesigen Eingriff. Minimalinvasiv ist nicht möglich, da meine Gebärmutter zu groß ist. Es kann sein, dass ich den linken Eierstock verliere, aber der rechte kann den Job übernehmen. Ich heule aber noch aus einem anderen Grund. Mir geht es immer schlechter. Nachdem der Mann weg ist, besucht mich die Ärztin. Und fragt mich, ob ich wusste dass ich Diabetes habe. Ich verneine, aber in meinem Kopf setzen sich ein paar Dinge zusammen. Unglaublicher Durst und Abgeschlagenheit. Und seit geraumer Zeit auch trockene Haut. Vor der morgigen OP wird über Medikamente gesprochen. Als ich später im Bett liege, ist der Husten massiv. Ich kann die ganze Nacht nicht schlafen. Der Sonnenaufgang über meiner Heimatstadt ist wirklich schön aber mit läuft inzwischen die Nase bis zum Gehtnichtmehr. 
Die Schwester sieht mich und sagt nur: 'Die OP können sie vergessen. Packen Sie schonmal alles zusammen. Ich sage den Ärzten Bescheid.' 
Ich werde Mittags vom Mann abgeholt. Nachdem ich noch mit einer Diabetologin gesprochen habe. Als ich Zuhause bin, kontaktiere ich meine Hausärztin. Ich bin inzwischen seit 2,5 Wochen krank. Die Diabetes trägt dazu bei, dass ich anfällig für Infekte bin. Ich habe in den letzten Monaten mehrfach  das Gefühl gehabt, richtig krank zu werden. Völlig abgeschlagen zu sein. Ich habe das auf den neuen Job geschoben, aber jetzt weiß ich es besser. Meine Hausärztin hat mir Tabletten verschrieben und ich achte gerade sehr genau darauf, was ich esse. Ein schöner Nebeneffekt ist natürlich, dass ich Gewicht verliere. Und meine Hausärztin ist optimistisch, dass ich nach weiterer Abnahme keine Tabletten mehr brauche. Sind wir ehrlich, ich habe letztes Jahr 133 Kilo gewogen. Dass das nicht spurlos an meinem Körper vorbei geht, war klar. Und ich habe einfach nur ungesunde Scheiße in mich gestopft und Softdrinks getrunken. 
Dies war wohl genau der Weckruf, den ich brauchte. Ich habe Lebensmittel aussortiert und an den Mann gegeben und werde wohl jetzt Iced Americano trinken und keinen Iced Latte mehr. Außer es ist Pflanzenmilch enthalten. 
Ich plane morgen mit dem Krankenhaus zu telefonieren und einen neuen OP Termin für Ende Juli zu planen. Ich möchte nämlich auch noch ein paar Tage arbeiten gehen, um meine Kollegen zu sehen und die aktuelle Situation mit den Vorgesetzten zu besprechen. Ich denke, eine unbefristete Stelle kann ich mir abschminken. Aber das zählt gerade nicht. 
Was zählt, ist die Hoffnung dass da kein Krebs in meiner Gebärmutter ist. Es sieht alles gutartig aus, aber wer weiß das schon? Gerade nach all dem, was mit meiner Schwester verstorben ist. Ich plane diese Woche noch Patientenverfügung, Versorgungsvollmacht und ein Testament zu machen. Und dem Mann schriftlich zu hinterlassen, wie ich bestattet werden möchte. Ich möchte es meinen engsten Vertrauten nicht antun, völlig im Dunkeln zu tappen. Ich will nicht an den Tod denken, aber ich möchte vorbereitet sein. Auf alles. Diese OP wird ein großer und schwerer Eingriff. Die emotionale Wucht meine Gebärmutter zu verlieren, wird mich wahrscheinlich noch heftig treffen. Ich wollte nie Kinder und war froh, als meine Periode ausblieb. Aber ich verliere einen Teil meines Körpers. Im Zuge der Ausschabung habe ich aktuell sogar wieder meine Periode bekommen. Was sich seltsam anfühlt. Und um den Kreis zu schließen: Der am Anfang erwähnte Pilz hängt wohl auch mit der Diabetes zusammen. Die Cremes meines Arztes haben erstmal geholfen und ich merke auch den Unterschied was mein Urin angeht. Ich muß Anfang Mai extreme Zuckerwerte gehabt haben. Anhand der Blutabnahme konnte man auch sehen, wie hoch der Langzeitwert war. Was ich gerade aus all diesem lerne? Nehmt eure Vorsorgetermine war. Das schreibe ich mir ab jetzt hinter die Ohren. 

Und noch etwas: Die Gynäkologie des Heimatortkrankenhauses hat Tausende Herzen verdient. Ich wurde echt liebevoll umsorgt und betüddelt. Wie sagte es eine sehr nette Schwester: 'Das ist Schicksal. Das soll heute nicht sein'. Das war bevor ich die Diabetes Diagnose erhalten habe. Und wahrscheinlich ist es wirklich so. Ich rede mir Schicksal ein. Wahr vielleicht auch Schicksal, dass ich mich für den Gynäkologen entschieden habe, obwohl das etwas Fahrt für mich bedeutet. Aber die Extrameile, die er für mich gegangen ist, zeigt eine Wertschätzung, die mich echt zum Weinen gebracht hat. Solche Menschen sind die wahren Helden und Stützen dieser Gesellschaft. 

Ich schaue jetzt mal, dass ich in den nächsten Tagen endlich wieder bei 100 % bin. Gewappnet für das, was da auf mich zukommt. 

Und die schrecklichste Nachricht, die mich in den letzten Tagen noch aus der Bahn geworfen hat: Mein ehemaliger IT-Kollege ist überraschend verstorben. Tot zusammengebrochen. Nur ein paar Jahre älter als ich. 

10.05.2026

10/05/2026

Jeder Versuch zählt. Das denke ich in genau dieser Sekunde. Meine mentale und körperliche Situation ist weiterhin durchwachsen. Ich schlafe, arbeite und versuche am Wochenende die Batterien aufzuladen, wenn ich Zeit mit dem Mann verbringe. Das gelingt mal besser und mal schlechter. Ich versuche den Rat zu befolgen, den ich letztes Jahr bekommen habe: Gut zu mir zu sein. Aber wie ist man gut zu sich, wenn man sich sehr oft einfach hasst? Wenn die innere Stimme einen herab würdigt und nichts positives sagt. Man versucht weiter zu machen. Die Stimme wegblenden und sich aufzumuntern. Die Dinge werden schon besser. Da ist Kraft. Du hast bis jetzt nicht aufgegeben.
Vor ein paar Tagen dachte ich zum ersten Mal, wie es wäre wenn ich einschlafe und nicht mehr aufwache. Ich war an einem absoluten Tiefpunkt. Jetzt gerade wird es besser. Da ist ein bißchen mehr Licht und ein bißchen weniger Tunnel. Weniger verurteilen, mehr akzeptieren. 

01.01.2026

2025 - gesehen, gelesen und gehört

   Kino 

  • Queer 
  • Kneecap 
  • Babygirl 
  • Bird 
  • Mickey 17 
  • 28 Years Later 
  • Warfare 
  • One battle after another 
  • Sorry, Baby  
  • Therapie für Wikinger
Film des Jahres: 'Bird' von Andrea Arnold - ein absolutes Juwel, welches man unbedingt anschauen sollte. 'Lucky Man' von The Verve ist seitdem für mich ein Lied, das mich immer wieder rettet und an die Schönheit der Hässlichkeit erinnert


Streaming und Disc
  • Cunk on Life 
  • Wallace & Gromit - Vengeance most fowl 
  • Tune in for Love 
  • Escape from Mogadischu 
  • Hijack 1971 
  • A Company Man 
  • Silenced 
  • Miss Granny 
  • Bogota: City of the lost 
  • Coffee Prince 
  • I, the executioner 
  • Mad Cats 
  • Revelations 
  • The Suspect 
  • No Blood No Tears 
  • Die Athena Verschwörung - In tödlicher Mission 
  • Spiderweb - Once Upon a time in Seoul 
  • Havoc 
  • The Match  
  • Bad Lands 
  • Lost in Starlight 
  • Mercy for none 
  • Haunters  
  • Newtopia  
  • Squid Game 3 
  • Parasyte: The Grey 
  • 84m2 
  • Good Boy 
  • Boiling Point 
  • Love in the big city 
  • The old woman with the knife 
  • Aema 
  • Assassination 
  • City of Violence 
  • Mantis 
  • Small things like these 
  • Steve  
  • Adolescence 
  • Good News 
  • A House of Dynamite 
  • Ballad of a small player 
  • The Teaches of Peaches 
  • Revolver 
  • Hi-5 
  • Spinal Tap II: The End continues 
  • Wake Up Dead Man: A Knives Out Mystery 
  • Love Untangled 
  • Stranger Things Season 5
'Adolescence' hat hier alles überstrahlt. Eine sehr schockierende Serie. Technisch wirklich wahnsinnig gut inszeniert, aber auch schauspielerisch exzellent. Owen Cooper hat mich Sicherheit eine glänzende Karriere vor sich und Stephen Graham ist immer eine Bank.
Ansonsten hat Südkorea wieder mit etlichen Produktionen geglänzt. Ganz besonders ist da Cobweb zu erwähnen, der hier den Titel 'Spiderweb - Once Upon a time in Seoul' trägt. Die Rückkehr von Kathryn Bigelow mit 'A House of Dynamite' hat mich sehr gefreut und Cillian Murphy mal wieder in einer kleinen Produktion wie 'Small Things like these' zu sehen, war ebenfalls mehr als erfreulich. In einem thematisch sehr harten Film beweist er einmal mehr, wie großartig er ist.


Gelesen
  • Franziska Setare Koohestani - Hairy Queen 
  • Miriam Stein - Die gereizte Frau 
  • Cho Nam-joo - Wo ich wohne, ist der Mond ganz nah 
  • Miriam Stein - Weise Frauen 
  • Dr. Julie Smith - Aufstehen oder liegen bleiben 
  • Moshtari Hilal - Hässlichkeit 
  • Canberk Köktürk - Fascholand 
  • Dr. Leon Windscheid - Besser fühlen 
  • Oliver Kalkofe - Nie war früher schöner als jetzt


Gehört
  • Kae Tempest - Self Titled
  • The Verve - Lucky Man, This is Music, History
  • und jede Menge weiteren alten Kram, der auf Vinyl nachgekauft wurde

12.12.2025

12/12/2025

Ich führe gerade einen unglaublich ermüdenden Kampf mit meiner Gesundheit. Und ich weiß, dass ich selbst schuld an meinem Zustand bin. Weil ich mich einfach hängen lasse und mich dazu noch selber hasse.
Ich gebe mir die Schuld, weil ich im neuen Job Zeit brauche, um mich rein zu fuchsen. Fühle mich zu langsam und vergesse einfach mal, dass ich einen Berg von Wissen erklimmen muß. Und dass ich keine 20 mehr bin. Mein Lebenstacho zeigt inzwischen 48 an. Da lernt man einfach langsamer. Niemand setzt mich unter Druck. Nur ich mich selbst. Was sich auf meine Gesundheit niedergeschlägt. Aktuell Ischias. Weil ich einfach jegliche Anspannung in den Rücken gepackt habe. All das führt zu Vorwürfen an mich selbst. Krank sein in der Probezeit will man ja tunlichst vermeiden. 
Abseits der Arbeit mache ich gerade nichts mehr, was mir wirklich Spaß macht. Ich scrolle durch Social Media und vergleiche mich mit den Leuten im Internet. Was absolut tödlich für das eigene Selbstbewusstsein ist. Oder wie es Kierkegaard so schön sagte: 'Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit'. Ich versuche mir selbst zu sagen, dass ich in Ordnung bin, aber da ist diese laute Stimme, die alles andere übertönt. 'Du bist eben nicht gut genug'. Um mich diesem Gefühl nicht zu stellen, ersticken ich das alles mit Essen. Aber um ehrlich zu sein, fühle ich mich danach noch schlechter. Emotional, aber besonders körperlich. Meine Knie sind belastet und ich spüre das deutlich. Ich kann das nicht mehr ignorieren. Es ist nicht nur der Meniskusriss, der meinem rechten Knie zusetzt, es ist das Gewicht, was den Innenmeniskus an beiden Knien reizt. Ich schaffe es immerhin, wieder wöchentlich zum Sport zu gehen. Aber auch da schreit eine Stimme 'Das ist nicht genug'. Wann hat mich diese ganze Unsicherheit wieder so heftig erwischt. Ich war da mal drüber hinweg und habe mich ganz gut gefühlt. Aktuell bin ich ein einziges Mängelexemplar. Aber ich versuche, nicht aufzugeben. Weil der Mann immer für mich da ist. Und weil es da draußen immer noch eine Hand voll Menschen gibt, die mir etwas bedeuten. Und denen ich das aktuell viel zu selten sage oder zeige.
Ich habe ein paar Dinge, die ich mal wieder mehr umsetzen möchte. Und ich will in den nächsten Monaten gut zu mir sein. Kein Optimierungswahn, aber einfach auf mich aufpassen. Die Dinge tun, die ich liebe. Mehr Zeit außerhalb des Internets verbringen und meine Nase in gute Bücher stecken. Mehr Serien gucken und besser essen. Und vielleicht auch endlich mal wieder mein Pilatesgerät entmotten. 

04.07.2025

04/07/2025

Ich sage mir gerade selber, dass ich keine Angst vor meiner Zukunft haben soll. Während vor meinem inneren Auge einer dieser Filme läuft, der davon handelt, dass ich keine Arbeit finden werde. Ich bin gerade mal 4 Tage arbeitslos. Wo will ich hin? Was kann ich mir vorstellen? 
Gleichzeitig immer noch der Kampf mit dem operierten Knie. Letzte Woche zum ersten Mal beim Sport und alles schön. Diese Woche bei der Wärme direkt einige Zipperlein. Schwellungen, schwere Beine und leichte Schmerzen. Die Wahrheit, die ich versuche zu verdrängen, ist: Ich muß dieses Gewicht runter bekommen. Je schneller, desto besser. Und ich muß mich von den sozialen Medien fern halten, um mich nicht wie eine absolute Versagerin zu fühlen. Aufhören, mich zu vergleichen und einfach wieder auf mich zu achten.
Was mich momentan auch noch etwas auf den Boden wirft: Meine Augen sind um einiges schlechter geworden. Und ich bin eh schon extrem kurzsichtig. Ich fühle mich gerade wirklich, wie ein absolutes Mängelexemplar. Und während ich auf dem Sofa weine, schäme ich mich, weil es anderen gerade viel viel schlechter geht. 

30.05.2025

30/05/2025

'Ich habe das Gefühl, ich hatte nie eine Chance mich zu entwickeln'. Dieser Satz war da in meinem Gedanken, als ich heute morgen um 4 Uhr wach wurde. Mal wieder geplagt von einer Hitzewelle (Hallo Perimenopause, my old friend). Mir geht momentan sehr viel durch den Kopf und mir schlägt noch mehr auf mein Gemüt. Ich stehe vor einer ungewissen Zukunft und 12 Wochen nach meiner OP ist mein Bein immer noch nicht bei 100 Prozent. Vielleicht verlange ich zu viel von meinem Körper, aber gerade die Beugung meines Knies macht immer noch Probleme. Zurück zum Anfangssatz. Ich hadere gerade, wie immer in Krisen, mit meinem Leben und meinen Empfindungen. Kämpfe mit Gedanken und Emotionen. Äußere sie selten, weil ich nicht undankbar klingen will, aber die Wahrheit ist: Ich hatte in meiner Familie keine Chance mich zu entwickeln, weil ich direkt mit allen Aspekten der Familiengeschichte erschlagen wurde. Man hat nicht gewartet, bis ich erwachsen bin, sondern mir einfach alles um die Ohren gehauen. Was dazu geführt hat, dass ich mich eigentlich immer nur geschämt habe. Geschämt für meine Herkunft. Für das was in der Familie passiert ist, obwohl ich keinen Einfluß darauf hatte und so vieles passiert ist, bevor ich überhaupt geboren wurde. Die Frage ist auch: Hätte ich das alles wissen müssen? Besonders so früh? Oder hätte es gereicht, mir das alles irgendwann zu erzählen?
Ich fühle mich sehr oft so, als wurde ich zerrissen und zermahlen. Zwischen all den Menschen in meiner Familie und all den Konflikten. Daraus hat sich ein absolutes Nichtvertrauen in mich selbst entwickelt. Obwohl mein Leben mir schon so oft bewiesen hat, dass mein erstes Gefühl bei  Dingen fast immer richtig ist und mein Kopf aus wenigen Informationen sehr sehr oft die richtigen Schlüsse zieht. 
Keine Ahnung wohin mein Weg geht, aber aktuell bin ich ein bisschen verloren. Irgendwo in einem Wald, aus dem ich gerade nicht raus komme. Aber ich will versuchen nicht daran zu verzweifeln. 

11.05.2025

11/05/2025

Ich versuche mir gerade das Versprechen zu geben, mich besser um mich zu kümmern. Was verdammt schwer ist, wenn man sich selbst immer wieder für wertlos und klein hält.
Ich bin gerade überfordert von der Welt. Von mir selbst. Überwältigt von meinem Körper. Der Unbeweglichkeit und das Gewicht. Der Energielosigkeit und der Müdigkeit. 
Letzte Woche habe ich mich gezwungen endlich mal die wichtigen Dinge in Angriff zu nehmen. Termine zu machen, Unterlagen zu bearbeiten. Es fühlt sich zumindest ein bißchen so an, als hätte ich die Kontrolle über mein Leben. Aber in Wirklichkeit habe ich sie nicht. Mein Knie ist immer noch nicht wieder bei 90 %. Ich hadere damit, was völlig albern ist (weil die Heilung eben Zeit braucht). Gestern war da ein Schmerz bei eine Bewegung. Sofort wieder Angst, dass etwas gerissen ist. Heute ist alles schon wieder besser. Für mich wird es aber endlich Zeit das Gewicht in Angriff zu nehmen. Keine Ausflüchte, keine Entschuldigungen mehr. Ich muß die Verantwortung für mich und mein Handeln übernehmen. 

02.04.2025

02/04/2025

Das Zauberwort heißt aktuell: Geduld. Etwas, das ich nicht wirklich habe. Zumindest, wenn es gerade um mein Knie geht. Es ist Woche 4 nach dem Eingriff und ich kann wieder alleine duschen, das Bein bis zu einem gewissen Grad beugen und zur Physiotherapie brauche ich nur noch 15 statt 25 Minuten. Trotzdem denke ich, dass ich weiter sein müsste. Dieses ätzende Leistungsdenken ist so tief in mir und es nervt. Davon ab, habe ich immer mal wieder Schmerzen oder Ziehen im Knie. Auch das ist normal. Schließlich wurde nicht nur ein Stück Meniskus entfernt, sondern auch die Knorpel geglättet. Und ich hatte einen Drainageschlauch im Knie. Physiotherapeut und Orthopäde haben mir beide versichert, dass das was ich fühle, normal ist. Was mich jetzt erstmal beruhigt. Gestern war ein ziemlicher Tiefpunkt. Heute geht es mir besser. Ich bin immer noch an Gehhilfen unterwegs und kann mir momentan noch nicht vorstellen, wieder ohne zu laufen. Das Knie fühlt sich okay an, aber wieder normal damit laufen? Nein, definitiv noch nicht. 
Mein Leben ist gerade sehr entschleunigt und ich finde es gar nicht so schlimm. Außer ich bin unter Menschen unterwegs und fühle mich wie eine Last, die Bürgersteige blockiert oder eben einfach nicht schneller laufen kann. Dabei gibt mir niemand das Gefühl. Ich wurde heute, als ich versucht habe aufzustehen und noch nicht ganz die richtige Position hatte, gefragt ob ich Hilfe brauche. Eine Nachbarin hat mir gestern ebenfalls Hilfe angeboten. Das sind die Dinge, die mich gerade sehr dankbar sein lassen. 
Ich merke außerdem, dass die Angst bei jeder Bewegung weniger wird. Das sagte mir gestern auch mein Physiotherapeut. Dass meine Bewegungen nicht mehr so ängstlich sind und ich viel sicherer wirke. Roboter-Kat verschwindet gerade. Ich habe nicht erwartet, was diese Diagnose und dieser Eingriff mit mir anstellen würden. Aber ich kämpfe mich langsam, aber sicher, zurück. Gehhilfen haben übrigens auch wirkliche Vorteile. Man kann damit perfekt Spinnen erlegen. Irgendwie hatte ich in den letzten Tagen zwei Mal Besuch von Winkelspinnen. Nicht die ganz großen, die eine eigene Hausnummer haben, sondern eher die kleinen. Die immer noch verdammt groß sind. 
In meinem Kopf geht gerade unterbewusst eine Menge ab. Ich kann mich weder auf Buch noch auf Serie konzentrieren. Und ich habe in den letzten Nächten verstärkt Schlafparalysen. Die Angst vor der Zukunft ist präsenter. Ich habe keine Ahnung, wohin mein Weg führt. Im Moment möchte ich erstmal wieder auf die Beine kommen. Also besonders auf das, was gerade nicht bei 100 % ist. 


12.03.2025

12/03/2025

Zwei Monate sind vergangen und in denen war gesundheitlich einiges los. Ich bin Ende November 2024 auf der nassen Stufe vor dem Haus ungünstig ausgerutscht, habe mit dem rechten Bein eine Stufe übersprungen und bin mit etwas verdrehtem Knie auf dem Boden gelandet, aber nicht gefallen. Schmerz als Zerrung abgetan. Im Januar diesen Jahres dann vielleicht doch mal die Einsicht, dass es eventuell doch keine Zerrung ist. Orthopäde, anschließend MRT und Diagnose Außenmeniskusriss. Überweisung zum Krankenhaus, um das nochmal genauer checken zu lassen. Ich denke 'Ach, gehst du mal zum Gespräch dahin'. 3 Stunden später spuckt mich das Krankenhaus aus. Nach Blutuntersuchung, EKG und Narkosegespräch steht fest, dass ein paar Tage später eine Knieathroskopie gemacht wird. Und ich wahrscheinlich nur eine Nacht im Krankenhaus bleiben muß. 
Ich versuche ruhig zu bleiben, aber die Wahrheit ist: Ich habe massive Angst. Ich bin als 10jährige in meiner Mandel-OP wach geworden, weil man die Narkose falsch gesetzt hat. Meine Mutter hat mir das jahrelang nicht erzählt und ich habe mich gewundert, warum ich bei folgenden Betäubungen immer völlig überreagiert habe. Der Mann und meine Lieben sind in den kommenden Tagen eine große Stütze. Ich bekomme aufmunternde Worte und das hilft einfach sehr. Zwei Tage vor der OP lenken wir uns mit Kino ab und sehen einen absolut wundervollen Film ('Bird' von Andrea Arnold), dessen Bilder bzw. eine ganz besondere Szene mich vor der OP begleiten und beruhigen widr. Letzte Woche Montag Abend gehe ich um 21 Uhr ins Bett und versuche das Gedankenkarussell mit der Filmszene abzustellen. Es klappt. Der Mann holt mich Dienstag ganz früh morgens ab und fährt mich ins Krankenhaus. Als wir uns verabschieden und ich rein gehe, fühle ich mich als würde ich zur Schlachtbank geführt. 

Ich bekomme erstmal kein Zimmer im Krankenhaus und irgendwann werde ich gerufen, lasse meine Sachen in einem Raum stehen, ziehe mich in 2 Minuten zur OP um und hüpfe auf dem Flur in mein Bett. Werde nach unten gebracht und habe natürlich Angst. Weine fast, bevor ich in die Schleuse gebracht werde und denke dann an meine verstorbene Schwester und was sie alles ertragen hat. Was mich beruhigt. Ich weiß, dass sie in diesem Moment bei mir ist. Ich liege da unten sehr lange und werde dann irgendwann in den OP gebracht. Wo mich die absolut bezauberndsten Menschen erwarten, die mir alles erklären und unglaublich lieb sind. Mir wird tatsächlich kurz vom Schmerzmittel kodderich und ich höre noch den Satz 'Denken Sie an was schönes'. Ich denke wieder an die Szene aus 'Bird'. Als ich aufwache, fühle ich mich erstaunlich fit. Und man sagt mir, dass die OP erfolgreich verlaufen ist. Ich werde auf ein Zimmer gebracht und habe die besten Damen als Zimmernachbarinnen, die man sich wünschen kann. Liebevoll und fürsorglich. Ich stehe am Nachmittag zum ersten Mal auf und fühle mich ein wenig wie Rocky. Ich bin sicher, dass da Fanfaren zu hören waren. Der Mann kommt abends zu Besuch und das Wiedersehen fühlt sich so gut an. Obwohl wir uns nur ein paar Stunden nicht gesehen haben. In der Nacht schlafe ich dank Schmerz- und Schlaftabletten sehr gut. Am nächsten Morgen werden Drainage und Zugang gezogen und ich kann dem Mann sagen, dass ich nach Hause komme. Ich darf das Knie voll belasten, habe aber natürlich Gehhilfen und bekomme meinen persönlichen Endgegner mit: Thrombosespritzen.

Eine Woche später schreibe ich diese Zeilen, während ich weiterhin das Knie kühle. Gestern die erste Physiotherapie gehabt und das Bein bewegt. Mein größtes Problem gerade: Mein Kopf. Die Angst, das wieder etwas reißen könnte, ist allgegenwärtig. Das ist etwas, was ich noch überwinden muß. Ansonsten fühle ich mich wieder auf dem Damm. Habe Duschdates mit dem Mann (alles ganz jugendfrei, ich brauche Hilfe mit den Kompressionsstrümpfen) und versuche nicht immer panisch auf kleinere Schmerzen im Knie zu reagieren. Mein Physiotherapeut erklärte mir so schön, dass da noch ordentlich Alarm im Knie ist.

Diese ganze Episode hat mir zwei Sachen verdeutlicht. Ich muß von meinem Gewicht runter und ich kann mich bedingungslos auf den Mann an meiner Seite verlassen. Es ist ein so großer Unterschied, ob deine eigene Mutter dafür sorgt, dass du dich schuldig fühlst, weil du Schmerzen hast. Oder dein Freund einfach da ist und dir all die Sicherheit gibt, die du gerade braucht. Dass du jammern darfst und über deine Ängste sprechen kannst. Wir hatten kurz vor der OP unseren 10. Jahrestag und mussten einen geplanten Kurztrip absagen. Weil ich diese ganze Kacke so lange verschleppt habe. Kein böses Wort vom Mann. Ich habe aber versprochen, zukünftig früher zum Arzt zu gehen. Und besser auf mich zu achten.

Ich hatte überlegt, ob ich noch etwas zu unserem Gesundheitssystem schreibe. Aber das haben so viele Menschen, die in diesem Bereich arbeiten, schon so viel besser auf den Punkt gebracht. Meinen Respekt für das, was ihr da unter diesen Umständen leistet. Ihr seid die wahren Helden dieser Gesellschaft. 

07.01.2025

07/01/2025

Ein Text über Schuld. Meine letzten Schuldgefühle beziehen sich auf meine verstorbene Schwester.
Das Jahr ist schon ein paar Tage alt und ich versuche, seit letzter Woche, über etwas zu schreiben, das mich beschäftigt. Ich habe mich an den Satz meiner Therapeutin erinnert, dass meine Essstörung eine Art von Selbstverletzung sei. Und während ich meine Wohnung putzte, kamen ein paar Gedanken hoch. Über Schuldgefühle und über Dinge, die ich ganz allgemein fühle. Wofür fühle ich mich schuldig?

Meine Schwester war ein Mensch, der wusste wie man das Leben lebt und liebt. Ist viel gereist und hat Dinge erlebt. Ich dagegen finde, spätestens seit meiner Pubertät, das Leben anstrengend. Ich springe nicht mehr mit meinen beiden Beinen voran, sondern gehe Schritte zurück. Sehr viele Schritte. Bitte nicht viele Menschen und bitte keine großen Reisen. Ich bin nicht lebenslustig, sondern des Lebens müde. Sehr oft. Und ich fühle mich schuldig, weil sie gehen musste obwohl sie am Leben hing. Seit der Nachricht, dass sie weder Krebs hat, bin ich komplett in die Eßstörung zurück gefallen. Weil ich innerlich wusste, dass sie sterben würde. Dieses weiter zu leben und dieses Lebens so müde zu sein, während ein anderer Mensch voller Leben gehen musste, fühlt sich seltsam an. Ich versuche damit meinen Frieden zu machen und mich weniger schuldig zu fühlen. 

In den letzten Monaten und Jahren sind noch ganz andere Gedanken aufgekommen, wegen denen ich mich schuldig fühle und die haben natürlich auch mit meiner Familie zu tun. Ich bin als Nachzüglerin in eine dysfunktionale Familie geboren. Im Gegensatz zu meinen Geschwistern habe ich die häusliche Gewalt, die Zuhause geherrscht hat, nicht mehr mitbekommen. Ich habe Jahre meiner Kindheit als friedlich und auch geborgen in Erinnerung. Es gab Momente, in denen mir meine Mutter nahe war. Und es gab auch Momente, in denen mein Vater mir nah war. Aber ich wurde bereits sehr früh in meiner Kindheit mit verschiedenen Geschichten bezüglich meiner Eltern, besonders meiner Mutter, konfrontiert. Und ja, ich habe auch die Spuren der häuslichen Gewalt an meiner Mutter gesehen. Mein Vater war Alkoholiker und psychisch krank. Das ist eine Feststellung, keine Entschuldigung. Obwohl ich in meiner Kindheit nie etwas mitbekommen habe und es dort keine Ausbrüche gab, trage ich Dinge mit mir rum. Ich kann keine besoffene Typen ertragen, die aggressiv sind. Es gibt einen bestimmten Ton bei Männern, der innerlich in mir etwas anzündet. Und wenn ein Typ eine Frau blöd anmacht, erschrecke ich wie laut und wütend ich sein kann. Und wie sehr schreien gegen die übermäßige Angst hilft, die mir die Kehle hoch kriecht. Wann immer in meiner Familie über das Thema häusliche Gewalt gesprochen wurde, war ich außen vor. Ich habe nichts davon erlebt. Und wenn man sieht, was es mit den Menschen um dich macht, fühlt man sich auch hier irgendwann schuldig. Weil man Glück hatte. Ich habe immer wieder überlegt, wann meine Essstörung begonnen hat. Es gibt Kindheitsbilder, auf denen ich normalgewichtig bin. Ich erinnere mich aber an folgendes: Je mehr ich von meiner Familiengeschichte wusste, desto schlimmer habe ich mich gefühlt. Weil ich damals dachte, dass es nur in meiner Familie so schlimm ist. Ich habe mich geschämt, für all das was passiert ist. Habe mich seltsamerweise oft dafür verantwortlich gefühlt. Bin zwischen allen Stühlen groß geworden, weil gleich mehrere Seiten an mir gezerrt haben. Vermutlich meinen alle, sie hätten es zu meinem besten getan. Aber es hat eigentlich genau das Gegenteil bewirkt.

Ich hatte irgendwie nie das Gefühl, mich richtig zwischen all diesen Menschen entwickeln zu können. Ich habe noch heute Angst Entscheidungen zu treffen, die sich für bzw. gegen jemanden entscheiden. Aus Angst, dass ich jemandem nicht gerecht werde. Den eigenen Weg zu finden, war und ist immer noch schwer. Weil mir ja alle anderen Wege als leuchtende Vorbilder aufgezeigt wurden. Wie soll ich dann meinen finden? Ich erarbeite mir inzwischen kleine Erfolge und bin ab und zu mal stolz auf mich. Aber auch dann fühle ich mich wieder schuldig. Es ist so schwer aus diesem ganzen Geflecht auszubrechen oder ehrlich seinen Standpunkt zu sagen. Weil dann sofort wieder die Angst kommt, man hätte etwas falsches gesagt. Weil es doch immer nur gut gemeint war. Und dann passieren ja keine Fehler. Ich sage natürlich nichts mehr dazu sage, weil ich mich am Ende nicht wieder schuldig fühlen will. Aber man hätte mir wirklich länger eine unbeschwerte Kindheit gönnen können.