15.07.2026

15/07/2026

Wo fange ich an? Es ist gesundheitlich so viel passiert, dass es mir schwer fällt an alles zu denken. Anfang Mai bekam ich einen Ausschlag in meinem Intimbereich (sorry TMI), bei dem ich davon ausging, dass es ein Pilz ist. Dieser wurde von mir auch so behandelt und verschwand. Für ungefähr eine Woche. Dann kam das ganze genauso heftig zurück. Ich habe es wieder behandelt und bin dann im Juni erstmal in den Urlaub gefahren. In dem es mir insgesamt nicht so gut ging. Es war sehr schwüles Wetter und das macht auch an der Ostsee keinen Spaß. Als der Mann und ich wieder zurück waren, machte ich mich auf die Suche nach einer neuen gynäkologischen Praxis. Ich fand eine in meiner Heimatstadt und am ungefähr heißesten Tag des Jahres fuhr ich früh morgens zur Akutsprechstunde. Wurde wahnsinnig nett aufgenommen und untersucht. Da ich wirklich sehr lange nicht mehr zur Vorsorge war (ich nenne jetzt hier kein ungefähres Jahr, weil ich mich selber schäme)., hat der Arzt auch diese gemacht. Und mich vorab gefragt, ob ich eventuell Diabetes hätte. Was ich verneint habe.
Beim Ultraschall zeigte sich, dass meine Gebärmutter vergrößert ist. Da der Gynäkologe nicht mehr erkennen konnte, hat er das örtliche Krankenhaus kontaktiert, damit ich direkt zur Untersuchung vorbeikommen kann. Und etwas gegen den Ausschlag habe ich auch bekommen. Er sagte mir auch, dass er sich später auf jeden Fall nochmal melden würde, um zu hören was im Krankenhaus festgestellt wurde. Durch ihn wurde ich schon auf eine eventuelle Ausschabung und Entfernung der Gebärmutter vorbereitet. Im Krankenhaus angekommen, würde sich sofort um mich gekümmert. Mit dem Resultat, dass meine Gebärmutter durch Myome vergrößert ist. 5 Querfinger über meinem Bauchnabel. Am linken Eierstock sei eine Einblutung erkennbar. Ob ich nie was gemerkt hätte? Lässt mich dazu folgendes sagen. Man verneint erstmal. Meine letzte Periode war im November 2025, also nein, keine weiteren Auffälligkeiten. Dann beginnt man nachzudenken. Ich erinnere mich zuletzt an 2 Perioden, in denen ich vor Schmerzen weinend auf der Toilette saß und das Gefühl hatte, ich würde etwas gebären. Menstasse alle 30 Minuten wechseln. Schon länger nicht mehr richtig auf dem Bauch liegen können. Im Krankenhaus wurde erstmal eine Ausschabung geplant und dann auch direkt die OP. Plan war: Dienstag ambulant die Ausschabung, Mittwoch Aufnahme, Donnerstag OP. Mein Gynäkologe hat mich mittags angerufen und gefragt, wie die Situation ist. Ich habe ihm alles erklärt und mich bedankt, weil er sich so gut um mich gekümmert hat, obwohl ich Neupatientin bin. Und ich weiß jetzt auch, dass ich bei ihm in der Praxis bleibe. 
Am Wochenende vor den Eingriffen bekam ich in der Nacht von Samstag auf Sonntag Halsschmerzen. Da ich immer wieder mit Reflux kämpfe, habe ich mir auch nichts gedacht, als ich heiser wurde. Der Mann hat mich zur Ausschabung begleitet und der Eingriff verlief ohne Komplikationen. Das entnommene Gewebe enthielt keine Auffälligkeiten, soweit die guten Nachrichten. Am nächsten Tag dann also Aufnahme im Krankenhaus, fast keine Stimme mehr. MRT unterbrechen müssen, weil der Hustenreiz so schlimm ist. Aufklärung über die OP. Als der Mann abends kommt, heule ich. Ich habe Angst vor diesem riesigen Eingriff. Minimalinvasiv ist nicht möglich, da meine Gebärmutter zu groß ist. Es kann sein, dass ich den linken Eierstock verliere, aber der rechte kann den Job übernehmen. Ich heule aber noch aus einem anderen Grund. Mir geht es immer schlechter. Nachdem der Mann weg ist, besucht mich die Ärztin. Und fragt mich, ob ich wusste dass ich Diabetes habe. Ich verneine, aber in meinem Kopf setzen sich ein paar Dinge zusammen. Unglaublicher Durst und Abgeschlagenheit. Und seit geraumer Zeit auch trockene Haut. Vor der morgigen OP wird über Medikamente gesprochen. Als ich später im Bett liege, ist der Husten massiv. Ich kann die ganze Nacht nicht schlafen. Der Sonnenaufgang über meiner Heimatstadt ist wirklich schön aber mit läuft inzwischen die Nase bis zum Gehtnichtmehr. 
Die Schwester sieht mich und sagt nur: 'Die OP können sie vergessen. Packen Sie schonmal alles zusammen. Ich sage den Ärzten Bescheid.' 
Ich werde Mittags vom Mann abgeholt. Nachdem ich noch mit einer Diabetologin gesprochen habe. Als ich Zuhause bin, kontaktiere ich meine Hausärztin. Ich bin inzwischen seit 2,5 Wochen krank. Die Diabetes trägt dazu bei, dass ich anfällig für Infekte bin. Ich habe in den letzten Monaten mehrfach  das Gefühl gehabt, richtig krank zu werden. Völlig abgeschlagen zu sein. Ich habe das auf den neuen Job geschoben, aber jetzt weiß ich es besser. Meine Hausärztin hat mir Tabletten verschrieben und ich achte gerade sehr genau darauf, was ich esse. Ein schöner Nebeneffekt ist natürlich, dass ich Gewicht verliere. Und meine Hausärztin ist optimistisch, dass ich nach weiterer Abnahme keine Tabletten mehr brauche. Sind wir ehrlich, ich habe letztes Jahr 133 Kilo gewogen. Dass das nicht spurlos an meinem Körper vorbei geht, war klar. Und ich habe einfach nur ungesunde Scheiße in mich gestopft und Softdrinks getrunken. 
Dies war wohl genau der Weckruf, den ich brauchte. Ich habe Lebensmittel aussortiert und an den Mann gegeben und werde wohl jetzt Iced Americano trinken und keinen Iced Latte mehr. Außer es ist Pflanzenmilch enthalten. 
Ich plane morgen mit dem Krankenhaus zu telefonieren und einen neuen OP Termin für Ende Juli zu planen. Ich möchte nämlich auch noch ein paar Tage arbeiten gehen, um meine Kollegen zu sehen und die aktuelle Situation mit den Vorgesetzten zu besprechen. Ich denke, eine unbefristete Stelle kann ich mir abschminken. Aber das zählt gerade nicht. 
Was zählt, ist die Hoffnung dass da kein Krebs in meiner Gebärmutter ist. Es sieht alles gutartig aus, aber wer weiß das schon? Gerade nach all dem, was mit meiner Schwester verstorben ist. Ich plane diese Woche noch Patientenverfügung, Versorgungsvollmacht und ein Testament zu machen. Und dem Mann schriftlich zu hinterlassen, wie ich bestattet werden möchte. Ich möchte es meinen engsten Vertrauten nicht antun, völlig im Dunkeln zu tappen. Ich will nicht an den Tod denken, aber ich möchte vorbereitet sein. Auf alles. Diese OP wird ein großer und schwerer Eingriff. Die emotionale Wucht meine Gebärmutter zu verlieren, wird mich wahrscheinlich noch heftig treffen. Ich wollte nie Kinder und war froh, als meine Periode ausblieb. Aber ich verliere einen Teil meines Körpers. Im Zuge der Ausschabung habe ich aktuell sogar wieder meine Periode bekommen. Was sich seltsam anfühlt. Und um den Kreis zu schließen: Der am Anfang erwähnte Pilz hängt wohl auch mit der Diabetes zusammen. Die Cremes meines Arztes haben erstmal geholfen und ich merke auch den Unterschied was mein Urin angeht. Ich muß Anfang Mai extreme Zuckerwerte gehabt haben. Anhand der Blutabnahme konnte man auch sehen, wie hoch der Langzeitwert war. Was ich gerade aus all diesem lerne? Nehmt eure Vorsorgetermine war. Das schreibe ich mir ab jetzt hinter die Ohren. 

Und noch etwas: Die Gynäkologie des Heimatortkrankenhauses hat Tausende Herzen verdient. Ich wurde echt liebevoll umsorgt und betüddelt. Wie sagte es eine sehr nette Schwester: 'Das ist Schicksal. Das soll heute nicht sein'. Das war bevor ich die Diabetes Diagnose erhalten habe. Und wahrscheinlich ist es wirklich so. Ich rede mir Schicksal ein. Wahr vielleicht auch Schicksal, dass ich mich für den Gynäkologen entschieden habe, obwohl das etwas Fahrt für mich bedeutet. Aber die Extrameile, die er für mich gegangen ist, zeigt eine Wertschätzung, die mich echt zum Weinen gebracht hat. Solche Menschen sind die wahren Helden und Stützen dieser Gesellschaft. 

Ich schaue jetzt mal, dass ich in den nächsten Tagen endlich wieder bei 100 % bin. Gewappnet für das, was da auf mich zukommt. 

Und die schrecklichste Nachricht, die mich in den letzten Tagen noch aus der Bahn geworfen hat: Mein ehemaliger IT-Kollege ist überraschend verstorben. Tot zusammengebrochen. Nur ein paar Jahre älter als ich.