17.06.2016

Eine Woche zum Vergessen

Diese Woche scheitere ich so kläglich mit dem Kalorien zählen. Montag fühlte ich mich ein bißchen uselig, machte mir aber noch keine weiteren Gedanken dass meine Hormone ein Grund dafür sein könnten. Laut Blick in den Kalender dauert es ja noch knappe 7 Tage. Als ich Dienstag aufstehe, hat sich das mit den 7 Tagen erledigt. Meine Tage sind da. Und ich fresse wie ein Scheunendrescher. Stopfe Süßes in mich rein bis zum Gehtnichtmehr. Esse riesige Portionen und kann irgendwie nix dagegen tun. Ich habe Wasser im Körper und meine Waage zeigt heute morgen 77,3 Kilo an. Ich will das nicht. Sonntag ist der Spuk vorbei und dann habe ich mich hoffentlich wieder besser im Griff.
Heute sind neue Oberteile angekommen. In 36/38. Hilft meiner Motivation gerade auch nicht. Ich fühle mich einfach wie ausgekotzt. Geht bestimmt schnell wieder weg, aber nervt mich gerade extrem. Die letzten Kilos kosten mich so viel Kraft. Vor einem Jahr war das alles irgendwie leichter.

15.06.2016

Katze on the run ist 4

Ich bin ein bißchen spät, aber Veränderungen in meiner Wohnung waren wichtiger. Neue Möbel und ein umgestelltes Wohnzimmer lassen mich jetzt noch lieber Zuhause sein. 4 Jahre Katze on the run heißt viele Kilometer gelaufen, viele Menschen verloren, einige dazugewonnen, viele Kilos verloren. Und den Mann kennengelernt. Das Leben ist leichter geworden. Ich höre mehr auf die innere Stimme und lasse mich nicht mehr so leicht aus der Bahn werfen. Abhängigkeiten der Vergangenheit sind gekappt. Ich rauche nicht mehr und achte ansonsten auf mich. So darf das gerne weitergehen.

Ich danke euch für's lesen und kommentieren. Das freut mich jedes Mal einfach riesig. Katze on the run geht natürlich weiter. Meine Vergangenheit kann ich ja nicht einfach wegwischen und sie wird mich bestimmt immer mal wieder einholen. Vor 4 Jahren steckte ich in einer ausgewachsenen Lebenskrise und konnte nicht mehr weiter. Geholfen hat mir das Schreiben. Manchmal ist es schmerzhaft vergangene Dinge zu lesen, manchmal bringt es mich zum Lachen. Aber ich kann immer noch alles unterschreiben was ich lese. Selbst wenn mein heutiges ich mein damaliges ich gerne manchmal schütteln würde :-)

Also, hoch den Gin Tonic auf weitere Posts und auf euch <3

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08.06.2016

Ein Jahr Fettlogik überwinden

Vor exakt einem Jahr das Buch gelesen, auf Kalorienverbrauch geachtet und zack, 30 Kilo abgenommen. Kleidergröße vor einem Jahr: 48/50. Kleidergröße heute: 38/40. Gewicht vor einem Jahr: 105,4 Kilo. Gewicht heute: 74,8.
Ich habe schon häufiger darüber geschrieben wie es sich anfühlt normalgewichtig zu sein. Und werde nun darüber auch nicht viel schreiben, da ich gerade an etwas anderem sitze. Aber dazu verrate ich noch nix.
Die letzte Woche hat mich unglaublich Kraft gekostet. Mir ging es psychisch einfach nicht gut, weil ich an den North Country Boy dachte. Dazu kam noch, dass ich von einem entfernten Verwandten seinerseits (der mich aber nicht kennt) bekocht wurde. Ich habe viel nachgedacht, überlegt ob ich ihm schreibe. Plötzlich fiel mir ein Satz ein, den meine Therapeutin vor Jahren mal zu mir sagte: 'Was bringt es Ihnen eigentlich wenn er sich meldet? Hat das ein Nutzen für sie?'
Irgendwie hat mich dieser Gedanke aufgeweckt. Es bringt tatsächlich nix mit ihm Kontakt zu haben. Außer jede Menge Theater und Generve. Das letzte Wochenende, welches ich mit dem Mann verbrachte, lud dann endgültig meine Batterien wieder auf. Am Montag erledigte ich einige Sachen und dann führte mich der Weg in ein großes Bekleidungsgeschäft. Dort sah ich MEIN Kleid. Ich mußte es anziehen. Und es passte in 38. Ein neues Oberteil in 38 kam ebenfalls mit. Und eine Bermuda in 40. Gestern dann Kino. 'Sing Street', ein wunderbarer irischer Film, der in Dublin spielt und bei mir akute Dublin Sehnsucht geweckt hat. Noch mehr Liebe für den Mann, da er sich in einer Szene überhaupt nicht mehr einkriegt vor lachen.
Ich schaute gerade alte Fotos an. Fotos, auf denen ich 120 Kilo wog. Und schickte dem Mann einige davon. Seine Feststellung: Das Übergewicht hätte mich älter gemacht. Dann noch folgender Satz: 'Du bist die einzige Frau, die im Alter schöner und sexier wird'.
Ganz ehrlich: Warum sollte man da noch irgendeinem Typen aus der Vergangenheit nachweinen?

Sonntag wird Katze on the run übrigens 4. 4 Jahre in denen sich so viel verändert hat.

01.06.2016

400.

400 Einträge in fast 4 Jahren. Und der heutige wird ganz besonders wirr und seltsam. Nur schonmal als Vorwarnung.
Mein gestriger Arbeitstag war so frustrierend. Ich war ernsthaft so weit wieder in meinen alten Job zurück zu gehen, weil ich mehr scheinbar nicht kann. Mit verspanntem Nacken ab nach Hause und direkt ins Bett. Was mich in meinen Träumen erwartet hat, war dann aber auch nicht besser. Wiedersehen mit dem North Country Boy. Der so ganz anders war als ich ihn kenne. Fürsorglich, beschützend. Nach einer gemeinsamen Nacht trete ich aus dem Haus und die Welt liegt in Schutt und Asche. Nur mein Haus steht noch. Und er sagt mir wie schön ich aussehe, wenn ich barfuß über das Geröll laufe. In einem anderen Moment küsst er mich einfach nur. Er ist nicht pushy wie sonst, sondern ganz vorsichtig. Ich schlafe mit ihm, aber auch das ist so anders. Ich bin in diesem Traum übrigens Single (das beruhigt mich ein bißchen). Auf einmal sieht der North Country Boy aus wie Christian Bale. Hilfe!!!!

Andere Szene: Ich laufe einem ehemaligen Kollegen von mir in die Arme (in den ich mal verknallt war). Als er mich wiedererkennt, fällt er mir um den Hals und fragt mich wie es mir geht. Um sich dann am Ende von mir wie folgt verabschieden: Mit einem Stirnkuß. Und der Aussage wie süß ich doch bin. Dass er mich ganz bald wiedersehen will.

Als ich wach werde, fühle ich mich wie in einem schlechten Film und gehe erstmal nach draußen. Kopf frei kriegen. Einkaufen gehen. Mit einem Gesichtsausdruck der zum Wetter passt (es nieselt und der Himmel ist grau). Vor mir an der Kasse steht ein dunkelhaariger Typ in den 30ern (schätze ich) der mich, während er seine Sachen einpackt, schon sehr freundlich anlächelt. Plötzlich sagt die Kassiererin zu einem Pärchen: 'Die Zigarette bitte erst draußen anzünden. Danke!!' Der Typ und ich gucken erstmal etwas erstaunt und müssen dann lachen. Die Kassiererin guckt auch nur etwas kariert. Ich glaube ja, der Typ lässt sich mit dem einpacken extra lange Zeit bis ich fertig bin ;). Als ich alles eingepackt habe und Richtung Ausgang gehe, höre ich nur: 'Nehmen Sie mich mit, ich habe Angst vor diesem Pärchen'. Ich muß lachen und wir laufen gemeinsam Richtung Ausgang. Er sagt dann noch: 'Heute wird ein wunderschöner Tag' und zeigt mit einer Geste auf den Himmel. Nieselregen und grau. Ich muß lachen und er wünscht mir einen schönen Tag. Ich ihm auch. Er wechselt auf die andere Straßenseite und dreht sich immer wieder zu mir um. Ich versuche nicht so auffällig hinzusehen. Auch wenn ich vergeben bin, hat dieser nette unbekannte Mann meinen gestrigen beschissenen Tag und die chaotische Nacht einfach weggewischt. Danke <3

28.05.2016

Bullshit-Bingo

Folgende Sätze möchte ich in Zukunft nicht mehr hören:

'Also jetzt ist mal langsam gut mit dem Abnehmen'
'Du wirst noch magersüchtig'
'Du bist doch schon dünn genug'
'Jetzt übertreibst du aber'
'Du bist doch schon sportsüchtig'

Ich bin heute tatsächlich etwas angenervt. Ich möchte mich nämlich zukünftig nicht mehr rechtfertigen müssen dass ich abgenommen habe. Niemand, der übergewichtig ist, muß sich vor mir rechtfertigen, warum er nicht abnehmen will oder warum er übergewichtig ist. Jeder darf das wiegen was er will. Was ich allerdings nicht mag ist die Tatsache, dass sich Leute bemüßigt fühlen meine Abnahme ständig zu kommentieren. Zu kommentieren, dass ich mein Essen wiege und über meine Portionen eine App führe (das erzähle ich wenn man mich nach meinen Tipps fragt und natürlich weise ich auf Fettlogik überwinden hin). Und dass ich 6 Mal die Woche Sport mache (weil ich es liebe meinen Muskeln beim wachsen zuzusehen und weil Pilates und Yoga entspannen, mein Job ist psychisch fordernd und der Sport entspannt mich). Ja, ich weiß ich habe keine Kinder und demzufolge auch kein Kind welches ADHS hat. Ich kritisiere meine Gegenüber auch nicht, weil er/sie übergewichtig ist. Das ist seine/ihre Sache. Dafür möchte ich umgekehrt nicht sportsüchtig genannt werden oder dumme Sprüche hören, weil ich jetzt auf mich achte (was ich jahrzehntelang versäumt habe). Ich will halt gerne lange gesund bleiben, zumindest soweit wie ich es beeinflussen kann).
Dazu fiel mir etwas aus der Vergangenheit ein. Ich hatte vor einigen Jahren eine ehemals gute Freundin die durch Metabolic Balance ziemlich viel abgenommen hat (ich erinnere mich an einen Besuch in meiner damaligen Playmobilküche bei der sie Essen mitbrachte. Solche Gäste sind mir übrigens immer willkommen ;-). Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich sie dafür nicht angebitcht oder Angst gehabt, dass sie magersüchtig wird. Ganz im Gegenteil, ich fand es super was sie geschafft hat und war stolz auf sie. Und ich weiß dass sie, auch wenn wir keinen Kontakt mehr haben, es umgekehrt bei mir genau so gut finden würde. Und es mir gönnen würde. Sie hätte keine Angst, dass ich magersüchtig werde oder womöglich verhungere. Sie würde unterstützen und mir wahrscheinlich sagen dass sie stolz auf mich ist. Wie ich es umgekehrt auf sie war. Keiner meiner engsten Vertrauten hat Angst dass ich in eine Eßstörung falle.
Es nervt mich einfach nur dass mein Körper plötzlich Gesprächsthema ist. Wenn du unzufrieden mit dir bist, dann ändere es halt. Wenn du nicht bereit bist, dafür kleine Entbehrungen auf dich zu nehmen, dann kritisiere mich nicht dafür, dass ich sie auf mich nehme. Ich tue es gerne, denn meine Lebensqualität ist so viel besser geworden. Selbst wenn ein bißchen Haut an meinen Armen, Oberschenkeln und am Bauch hängt. Viele wissen natürlich nicht, dass ich eine Therapie hinter mir habe und da die Veränderungen begonnen haben. Ich führe diesen Prozess nun zu Ende. Wenn ich jetzt in den Spiegel schaue, dann bin ich genau die, die ich innerlich schon immer war. Ein Energiebündel. Manchmal total nervig. Manchmal total schwierig. Manchmal nachtragend. Manchmal widersprüchlich. Immer wieder und immer noch unsicher.

20.05.2016

Loslassen

Mein Körper. 76 Kilo. Normalgewicht. 8 würde ich gerne noch verlieren, aber im Moment passiert nicht viel. Ich perfektioniere gerade diese 'Ich esse soundso viele Kalorien und halte mein Gewicht' Phase.
Heute bekam ich ein Päckchen mit neuen Anziehsachen. Mittlerweile kaufe ich jeden Monat etwas neues weil Mode mir einfach Spaß macht. Weil mein Körper mir immer besser gefällt. Und trotzdem hatte ich heute einen Moment in dem ich innehielt und dachte: 'Sind das wirklich meine Beine?' Die Antwort ist natürlich: JA. Es ist immer noch ungewohnt beim Duschen Knochen zu fühlen. Selbst wenn ich das Gesicht wasche, fühle ich Knochen. Der Mann ist fasziniert von meinen Beckenknochen. Wie ausgeprägt die sind und wie kitzelig ich da vor allen Dingen bin.
Auf den Bildern sieht man meinen Körper. Er wird mir immer vertrauter. Und trotzdem ist er mir oft einfach noch fremd. Ich war mindestens zwei Drittel meines Lebens übergewichtig, ich muß mich erstmal daran gewöhnen es nicht mehr zu sein. Ich muß immer noch die dicke Person in mir gehen lassen. Aufhören, mich nur über mein Äußeres zu definieren. Selbstverständlich mit meinem Körper werden. Die Spuren des Übergewichts akzeptieren. Einfach weiter Sport machen und die Veränderungen wahrnehmen. Erfreut sein über meine neue Beweglichkeit. Über Bewegungsdrang und die Schmerzfreiheit bei jeder Bewegung.
Ich habe mich innerlich verändert. Ich bin bei mir und ich mag mich jeden Tag ein bißchen mehr. Es gibt jemanden in meinem Leben der mich so liebt wie niemand es sonst tut.
Vor ziemlich genau 4 Jahren sagte ich dass ich nicht mehr kann. Und hatte fast nicht mehr die Kraft aufzustehen und weiterzugehen. Mußte mir eingestehen dass ich mal wieder viel zu lange ausgehalten habe. Nicht ehrlich zu mir war. Zeichen ignoriert habe.
Heute ist das anders. Ich habe wieder Kraft und Energie. Ich bin gesund, fit, glücklich, in mir ruhend. Bei mir, und nicht mehr Lichtjahre von mir entfernt.

12.05.2016

All for one

Ich kann gerade keinen Gedanken festhalten. Alles in meinem Kopf springt und jubelt. Meine Lieblingsband hat nach 21 Jahren ihr erstes neues Lied veröffentlicht. Und meine Emotionen gehen mit mir durch.
Ich muß morgen meine Schwester verabschieden. Die zieht weg und es bricht mir ein bißchen das Herz. Wir stehen uns nah, das standen wir uns schon immer und momentan überrennen mich Erinnerungen an meine Kindheit. Daran wie sie mir aus einem Pappkarton und ein paar Zeichnungen einen Fernseher gebastelt hat. Daran wie ich in Ihrem Auto immer die Pet Shop Boys gehört habe. Alle Emotionen rennen gerade wild umher und können nicht raus. Ich weiß nicht wann ich sie das nächste Mal wiedersehe aber ich weiß dass sie immer bei mir ist. Auch wenn sie nicht da ist.
Nun zu meiner Lieblingsband. Sie sind zurück. Die Band wegen der ich einst Musikjournalistin werden wolle. Die Band wegen der ich Manchester liebe. Die Band die für immer mit dem North Country Boy verbunden ist. Zumindest dachte ich das. Inzwischen ist der Mann an meiner Seite auch ein Fan der Band geworden. Wenn ich die Band jetzt höre, denke ich an den Mann. Daran wie er mich liebt. Daran wie albern wir sein können. Daran dass er mein Liebhaber, mein Kumpel, mein Freund und der Mann an meiner Seite ist. Dass es mit ihm nie langweilig wird. Dass er mir diese Sicherheit gibt. Dass ich mir nie Sorgen machen muß. Dass ich ihm vertrauen kann. Dass er das beste ist was mir seit langer Zeit passiert ist.
Bevor meine Emotionen jetzt weiter über meinem Kopf zusammenschlagen, gehe ich jetzt mal schlafen. Mit dem Gefühl der Euphorie dass mich seit 1989 begleitet. Seit ich das erste Mal The Stone Roses gehört habe. 27 Jahre später ist dieselbe Euphorie immer noch da. Nur ich bin nicht mehr so unsicher wie damals, sondern viel schöner und glücklicher.

22.04.2016

How can you just leave me standing...

... alone in a world that's so cold

Ich komme aus der Arbeit raus, schaue auf mein Smartphone. Facebook auf und dann trifft es mich: Prince ist tot! Ich sitze in der Bahn und da wo mein Herz ist, ist plötzlich nur Schmerz. Tränen steigen in meine Augen und ich muß schluchzen. In aller Öffentlichkeit gelingt es mir nicht, meine Emotionen zu kontrollieren.
Zuhause muß dann aber alles raus. Ich heule Rotz und Wasser. Die Schwester und ich schreiben uns zeitgleich eine Nachricht.
Die Musik von Prince hat mich mindestens über 30 Jahre meines Lebens begleitet. Ich fand ihn immer unglaublich sexy. Die Art, wie er Gitarre gespielt hat und auch die Art, wie er am Piano saß und gesungen hat, ist einzigartig. Zu meiner Schulzeit gab es den Kampf: Michael Jackson vs. Prince. Ich war immer für Prince. Weil ich ihn kantiger und sexier fand als Michael Jackson. Prince und seinem Song 'Darling Nikki' verdanken wir die 'Parental Advisory' Sticker. Jahrzehntelang dachte ich es ginge in 'Little Red Corvette' um ein Auto, um dann erst festzustellen, dass es um das weibliche Geschlechtsorgan geht. Seine Musik hatte diese Mischung, die ihn so einzigartig machte. Und die so viele Stile verband. Meine Twitter Timeline spiegelte dies heute wieder. Alle trauern sie mit mir. Vom Rapper bis zum Rocker. Alle wissen wir jetzt wie es ist wenn Tauben weinen.
Ich hatte das große Glück Prince im Oktober 2002 live zu sehen. Ein unvergesslicher Moment. Das beste Konzert meines Lebens. Ich weiß, da wird nie wieder jemand kommen und das toppen. George Michael war nah dran.
Der heutige Tag der nun zu Ende geht, hinterlässt eine Welt ohne den kleinen Mann aus Minneapolis. Und wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann wäre es der  morgen aufzuwachen und alles nur geträumt zu haben. Die Welt hat einen ihrer besten Musiker verloren. Prince Rogers Nelson, nie wieder werde ich auf einer CD lesen: written, arranged and composed by Prince. Ich werde all die Erinnerungen, die ich mit deiner Musik verbinde in meinem Herzen behalten. Und ich will mir einfach keine Welt vorstellen in der es dich nicht mehr gibt.

04.04.2016

Ein kurzer Blick zurück

Ich war ein bisschen still in den letzten Tagen weil ich es einfach nicht fassen konnte normalgewichtig zu sein. Kein Übergewicht mehr zu haben. Ich kann es einfach immer noch nicht glauben was ich sehe, wenn ich auf die Waage gehe. Aber es ist tatsächlich so. Ich bin normalgewichtig.
Etwas ändert sich aber auch nicht mit Normalgewicht bei mir: Die Tatsache dass ich mir bestimmte Daten einfach unheimlich gut merken kann. Und so überkam mich in der letzten Woche ein Gefühl von 'Ende März, da war doch mal was'. Wenn man aufgehört hat ein Tagebuch zu schreiben und stattdessen alles ins Internet kotzt, hat man ja den Vorteil dass man schnell nachgucken kann. Und tatsächlich sprang mir da ein Eintrag aus 2014 entgegen, nämlich dieser hier (klick)
Da es mir aktuell so gut wie schon lange nicht mehr geht, dachte ich, ich werfe mal einen kleinen Blick zurück auf die Katze on the run von vor zwei Jahren. Vor zwei Jahren passierte mein letzter Kuss mit dem North Country Boy. Der mich völlig aufgelöst und gierig hinterließ. Ich hatte zu der Zeit gerade mein erstes Fasten hinter mir und wog ungefähr 112 Kilo. Adipositas Stufe 2, Single, und ich war noch in Therapie. Der North Country Boy überfiel mich wie üblich an einem Sonntag Abend, als ich entspannt auf der Couch saß. Ich hatte bereits den ganzen Tag das Gefühl dass er sich melden würde. Und so geschah es. Sein Besuch an diesem Abend warf mich wieder mal für Monate aus der Bahn. Plötzlich war da die alte Sehnsucht und Vertrautheit. Dieses Gefühl von etwas was man kennt und vermisst. Tatsache ist, er hat sich danach erstmal nicht mehr gemeldet. Was mich in ein totales Chaos gestürzt hat. Warum hat er es eigentlich immer wieder geschafft mich in ein solches Chaos zu stürzen?
Eine Frage, die ich vielleicht heute beantworten kann. Weil ich es zugelassen habe. Er kannte meine Schwachpunkte weil viele davon auch seine waren. Meine Unsicherheiten. Ich habe ihm diese Macht über mich gegeben. Mich klein gemacht. Die Kontrolle in seine Hände gelegt. Ein Fehler, den ich schon so oft in meinem Leben gemacht habe. Ein Mechanismus, den ich mit meiner Gewichtsabnahme zum ersten Mal durchbrochen habe.
Dieser Satz führt mich zur heutigen Katze on the run. Ich habe das Fasten wieder hinter mir, ich wiege aktuell 76 Kilo, Normalgewicht und bin seit 13 Monaten in einer glücklichen Beziehung. In der ich mich frei fühle, nein, in der ich frei bin. Entspannt und sicher.
Weil ich aber auch immer diesen kleinen rachsüchtigen Teufel auf meiner Schulter sitzen habe, würde ich dies dem North Country Boy natürlich gerne unter die Nase reiben. Frei nach dem Motto: Sieh her, ich kann alles.
Irgendwann kriege ich das mit der Rache hoffentlich auch nochmal in den Griff. Ist nämlich eigentlich auch völlig blödsinnig. Weil es eh nix bringen würde außer einen kurzen Moment der Genugtuung.

17.03.2016

Normalgewicht

Ich esse gleich meine erste Suppe. Fasten ist vorbei. Und etwas ganz anderes ist vorbei, nämlich Übergewicht. Laut Waage habe ich aktuell Normalgewicht. Natürlich weiß jeder der schonmal gefastet hat, dass das Gewicht erstmal wieder hochgehen wird. Aber irgendwie regt mich dieser Zustand gerade dazu an, ein paar Zeilen zu schreiben.
Vor einem Jahr wog ich 110 Kilo (vor zwei Jahren 120 Kilo) und war gefangen in einem Körper von dem ich mir einredete dass er doch ganz in Ordnung sei. Um meine Gesundheit stand es super und ich hatte immer wunderbare Blutwerte. Ich muß auf andere immer selbstbewusst gewirkt haben, aber das war ich nicht. Tatsache war, dass ich mich Männern an den Hals schmiss denen ich eigentlich sowieso egal war. Ich wollte einfach geliebt werden. Und vielleicht wollte mein dicker Körper auch einfach nur gesehen werden.
Vor etwas mehr als einem Jahr lernte ich jemanden kennen dem mein Körper ziemlich egal war sondern der mich gut fand. Meinen Charakter, meine Art, meine Persönlichkeit. Zum ersten Mal in meinem Leben wurde ich geliebt. Ungewohnt für eine, die immer meint sich alleine durchs Leben kämpfen zu müssen. Mein Freund hat nie auch nur irgendeinen Kommentar über mein Gewicht gemacht. Im Gegensatz zu Menschen auf der Straße. Mit ihm sprach ich über Fettlogik (danke Twitter, manchmal bist du schon toll) und er hat es dann einfach mal eben für mich gekauft.
Fettlogik bzw. Nadja haben mir etwas wichtiges zurückgegeben. Die Kontrolle über etwas von dem ich dachte ich könnte es nicht kontrollieren. Meinem Körper. Einen Tag nachdem ich das Buch gelesen hatte, war eine App auf meinem Handy und das zählen konnte beginnen. Sport trieb ich zu der Zeit schon. Und das für mich unfaßbare passierte, ich nahm ab. Ich nehme aktuell immer noch ab. Ziel sind 70 Kilo, gerade sagte die Waage 76,1.
Heute passierte etwas wunderbares. Ich ging in mein übliches Übergrößen Geschäft (ich kaufe da immer noch BHs) und bat darum neu vermessen zu werden, da meine BHs zu groß sind. Die Verkäuferin sah mich an und antwortete dann ganz freundlich: 'Ich kann sie gerne vermessen, aber ich werde Ihnen keine BHs mehr verkaufen können. Sie sind zu schmal geworden. Es ist schade sie als Kundin zu verlieren, aber sie sehen toll aus. Gehen Sie mal zu dem Laden da, da wird man Ihnen besser helfen können'. Ich war ein bißchen sprachlos. Also ab in den vorgeschlagenen Laden. Die unglaublich freundliche Mitarbeiterin um eine Vermessung gebeten und dann die Überraschung: Im November 2015 noch nen Umfang von 95, heute zwischen 75 und 80. 75 ging noch nicht, sonst wäre ich erstickt, aber 80 saß wunderbar. Danach noch in einen anderen Laden. Ich habe eine Vorliebe für Skinny Jeans entwickelt und meine kürzlich in 42 erworbenen wurden auch schon wieder zu groß. Und dann gab es diesen einen Moment in der Umkleidekabine. Als ich in den Spiegel sah und mich sah. Den Moment als mir die Tränen in die Augen schossen. Ich realisierte plötzlich dass ich endlich die bin, die ich wirklich bin. Dass die 50 angefressenen Schutzpanzerkilos fast weg sind. Dass die verheulte Frau im Spiegel die ist, die sich hinter all dem Fett versteckt hat. Ich habe Demütigungen ertragen, mich hinter meinem Aussehen versteckt und Angst davor gehabt die zu zeigen, die ich wirklich bin. Ich bin eine wunderschöne und tolle Frau. Ich bin stark. Und ich kann mich endlich ohne Knieschmerzen bewegen. Dieser Sommer wird der erste sein, in dem ich nicht unter Rock oder Kleid eine Hose tragen muß, weil meine Schenkel aneinander reiben. Es ist ein wunderschönes Gefühl wenn der Körper endlich zur Seele passt.
Danke Nadja, du hast mir den Weg gezeigt. Und es gibt keine Worte die ausdrücken wie viel mir das bedeutet.