16.02.2018

I can't save them, they can't save me

Mein erster Text im neuen Jahr. Das Wetter, sprich die ständige Dunkelheit, hat mir all meine Energie geraubt. Sport passiert gerade selten bis gar nicht. Kalorienzählen funktioniert auch nicht so ganz. Rückschläge müssen scheinbar sein. Damit man sich wieder daran erinnert, was man schon geschafft hat. Und was man vielleicht noch schaffen wird.
Ich hatte mich auf eine interne Stelle beworben, bei der ich nur knapp gescheitert bin. Sehr viel Lob, sehr viel Potenzial gezeigt und genau so weiter machen. Ich werde also die Augen offen halten und schauen wohin der Weg geht. Ich möchte ungerne das Unternehmen verlassen und irgendwo neu anfangen.
Was mir positiv aufgefallen ist: Es wird selbstverständlicher für mich vor Menschen zu stehen. Nicht mehr daran zu denken, dass sie mein Aussehen bewerten könnten. Ich fühle mich sehr wohl in meiner Haut. Ich stehe gerade. Aber ich rede immer noch verdammt schnell haha.
Noch ganz andere Dinge sind selbstverständlich geworden in den letzten Jahren. Mich erinnerte ein Bild auf Instagram, auf dem mich das Gesicht des North Country Boys anguckte, daran was wirklich mit mir passiert ist. Mein Selbstwertgefühl hängt nicht mehr von einem Mann ab. Ich habe mich schon vor meiner Beziehung aufgerichtet und gewusst, dass ich mir mehr wert bin, als auf Abruf für ein Arschloch bereit zu stehen, dem ich sowieso scheißegal bin. Der Mann ist jetzt eigentlich nur die Belohnung und Bestätigung für diese Veränderung. Und was für eine Belohnung <3. Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht dankbar dafür bin ihn angeschrieben zu haben. Er hat mich noch einmal ziemlich verändert. Sollten wir uns jemals trennen (was hoffentlich nie passiert), nehme ich aus den gemeinsamen Jahren mit, dass ich schon ganz richtig bin. Also so wie ich bin.
Viele Dinge bleiben aber weiterhin meine Baustelle. Schmerzhafte Entscheidungen treffen zum Beispiel. Und dabei von einem schlechten Gewissen gequält werden. Andere Leute können und dürfen Dinge tun, aber ich tue mich selbst so schwer damit. Ich frage mich immer wieder, ob eine Entscheidung richtig war oder nicht. Aber sie kann nicht falsch sein, wenn sie lang überlegt ist.
Was ich übrigens noch aus den letzten Jahren mitgenommen habe, ist: Keine Angst mehr vor dem alleine sein haben. Ich kann inzwischen wunderbar Zeit mit mir verbringen. Ich brauche keine Dauerbeschallung, keine Menschen. Gar nichts. Ich achte verstärkt darauf, dass es mir gut geht. Dass da Ruhe ist, wenn ich sie brauche.
Die beste Nachricht ist eh: Der Frühling steht vor der Tür. Die letzten Tage schien viel die Sonne und meine Lebensgeister erwachen langsam wieder. Ich plane im März eine Woche Heilfasten und dann einen Neustart für die Endkilos. Und der Mann und ich sind 3 Jahre zusammen. Zeit, die im Flug vergangen ist.

2018, du wirst hoffentlich gut. Mit mindestens so vielen schrägen Momenten wie in 'The Disaster Artist' (ich kann den Film nur empfehlen, vor allen Dingen, wenn ihr die Chance habt 'The Room' mal zu sehen)

30.12.2017

2017

Ein kleiner Jahresrückblick in Stichworten:

In guten Kinofilmen:
Hell or high water, Moonlight, Trainspotting 2, The Party, Atomic Blonde, Killer's Bodyguard, Logan Lucky, Blade Runner 2049, Detroit, The Last Jedi

In enttäuschenden Kinofilmen:
Ghost in the Shell, Kingsman 2

In schlechten Kinofilmen:
Song to Song

In älteren Filmen:
Sicario
Pusher 1-3 (hart und brillant)
Apocalypse Now (dem Mann fiel, dank mir, dann endlich mal auf, dass Harrison Ford mitspielt)
The Raid 1 & 2
Monsters
19
Chungking Express
Fallen Angels
Kein Pardon (wenn der Mann auf der Couch bei Uschi Blums Liedzeile 'Knack mich und back mich' den größten Lachanfall bekommt)

In Serien:
Peaky Blinders Staffel 3 (beste Serie der letzten Jahre)
Game of Thrones Staffel 1-7 (ist wie von vielen prophezeit definitiv eine Serie für mich und ja, ich kenne und liebe einen großen Teil der Besetzung bereits seit Jahren)
This is England '88 und '90 (Warum bekommt man in Deutschland sowas einfach nicht hin?)

In Momenten:
Mann, Freunde, Normalgewicht, Spaziergänge, Kuchen und Plätzchen aus dem inzwischen geschlossenem Lieblingscafé, Nachmittage im Park, in 'Blade Runner 2049' einfach mal sprach- und atemlos sein (setzt beim Thema CGI und auch ansonsten visuell neue Maßstäbe), mehr lachen und wenig weinen, hilflos sein wenn eine Krankheit wieder auftaucht, zusammenbrechen und wieder aufstehen, Human League live sehen, tanzen, endlich DEN Haarschnitt finden, zufriedener sein, sich mehr zutrauen, Pilates, Yoga, lachen können wie Hong Kong Phooey und Barney Geröllheimer, 40 werden und mit einer Simon's Cat Torte und vielen anderen schönen Sachen überrascht werden, am Ende diesen Jahres immer noch um Prince und George Michael trauern, feststellen dass ich die Depeche Mode Singles '81-'85 komplett mitsingen kann

Ich wünsche euch einen entspannten und schönen Start in 2018. Danke für's Lesen, kommentieren, verstehen, Daumen drücken, Anteil nehmen

20.11.2017

Same DNA as stardust

Dies ist der Versuch das gesamte emotionale Chaos der letzten Wochen in einen Text zu packen. Mal schauen, ob es mir gelingt.
Die wichtigsten und besten Nachrichten zuerst. Das Familienmitglied hat die erneute Krebserkrankung überstanden. Tumor wurde, in einer sehr langen OP, entfernt. Ich kann die Emotionen überhaupt nicht beschreiben, die mich während dieser Zeit überrannt haben. Die erste Nachricht schreiben und das erste Mal wieder miteinander sprechen zu können. Dieses Gefühl, wenn der Knoten um dein Herz plötzlich platzt, ist einfach unbeschreiblich. Ich bin gerade glücklicher als glücklich über den Ausgang der Geschichte und schaue optimistisch in die Zukunft. Zwei Mal hat diese Krankheit jetzt bei diesem Menschen zugeschlagen. Ich finde, das reicht jetzt aber wirklich für immer. Man kann sich in so einer Situation noch so oft vornehmen stark und tapfer zu sein, irgendwann kommt der Punkt an dem man zusammenbricht. Ich hatte diesen Punkt ja Anfang Oktober, kann aber verkünden, dass ich nach einer Woche Alleinsein wieder bereit für die Welt draußen war. Inzwischen bin ich innerlich so friedlich und ausgeglichen, dass mir die Arbeit leicht von der Hand geht. Sogar das Abnehmen läuft wieder. Ich habe mir als grobes Ziel gesetzt im Sommer 2018 am Ziel zu sein. Wenn ich nicht komplett eskaliere, wird das wahrscheinlich noch früher was werden. Aber da noch mein Geburtstag und Weihnachten anstehen, will ich mal nicht zu optimistisch sein.
Vor 1,5 Wochen habe ich einen kleinen Trip in meine Vergangenheit unternommen. Mit der Feststellung, dass es gar nicht so schlimm war (ich hatte schlimme Erwartungen) und es Menschen gibt, die mich definitiv nicht mehr erkennen. Meine Veränderung ist einfach unglaublich extrem. Da ich mich jeden Tag im Spiegel sehe, nehme ich das natürlich nicht so stark wahr. Ich habe all die Komplimente mal für schlechte Zeiten abgespeichert. Um mich daran zu erinnern, wenn ich mich gerade mal wieder scheiße finde.

In einigen Tagen werde ich 40, fühle mich wie 20 und werde momentan auf gerade mal 30 geschätzt. Das ist definitiv großartig. Es ist aber auch sehr emotional, da ich mit 15 nie daran geglaubt habe überhaupt so alt zu werden. Ich war ein unglücklicher Teenager und habe mir immer nur gewünscht zu sterben. Mich hat mein Leben angekotzt, meine Unsicherheiten, mein Schmerz. Wenn ich meinem damaligen 15jährigen Ich etwas sagen könnte, dann wäre es: 'Ruf den Psychologen an. Hab keine Angst davor was die Leute sagen. Tu es für dich. Und zieh schnellstmöglich Zuhause aus'. Ich bin in allem immer eine Spätzünderin gewesen. Vielleicht bin ich deswegen gerade froh, dass ich irgendwie einen gewissen inneren Frieden mit mir gefunden habe. Der Frieden mit meiner Mutter wird für immer fragil bleiben. Aber heute weiß ich, dass ich da jederzeit einen Schlußstrich ziehen kann. Ich muß nichts und kann mir aussuchen mit wem ich rede und Kontakt habe.

Ich finde mich gerade gar nicht mal so übel. Es gibt immer Dinge, die besser sein könnten. Aber ganz ehrlich, es könnte aber auch alles viel schlimmer sein. Aber das ist es nicht. Und dieses wärmende Gefühl im Herzen nehme ich mit in mein neues Lebensjahrzehnt.

Danke übrigens für all die gedrückten Daumen und aufbauenden Worte bezüglich des familiären Krankheitsfalles. Das hat einfach alles etwas erträglicher und besser gemacht.

03.10.2017

There are so many things I can do

Es geht schrittweise aufwärts. Vielleicht liegt es daran, dass ich letzte Nacht endlich mal wieder tief, fest und lang geschlafen habe. Außerdem ist mir heute bewußt geworden, dass ich mich momentan zu sehr auf negative Dinge konzentriere. Ich fokussiere mich auf mein Gewicht (ich bin immer noch keine U70, sondern hänge im Moment bei 75 rum). Ich wollte mit der Abnahme längst fertig sein. Stattdessen habe ich wieder zugenommen. Beruflich weiß ich immer noch nicht, wo ich hin will. Ich habe inzwischen mehr Selbstbewusstsein was meine Fähigkeiten angeht, aber den richtigen Dreh habe ich immer noch nicht gefunden.
Ich habe mir, ab heute, vorgenommen, mich auf positiveres zu konzentrieren. Und mich einfach nicht mehr so verdammt hängen zu lassen. Essen hat heute z.B. sehr gut geklappt. Mir geht es psychisch inzwischen besser, so dass ich bald wieder arbeiten gehen kann. Mir fehlt die Arbeit tatsächlich ein bißchen. Vor allen Dingen meine Kollegen und die Ablenkung. Samstag gehen der Mann und ich ins Kino. Blade Runner 2049. Ich bin so unglaublich gespannt. Es sind Kleinigkeiten auf die ich mich freue.
Oder Kleinigkeiten an denen mir auffällt dass ich etwas entspannter bin. Gestern morgen ging ich zur Toilette und als ich im Flur stand, hatte ich plötzlich nasse Füße und Wasser tropfte auf meinen Kopf. Als ich nach oben schaute, erblickte ich Wasser an der Decke, welches sich tropfenweise den Weg nach unten suchte. Das kleine Drama konnten gestern einige von euch bei Twitter verfolgen. Mein Nachbar über mir hat auch nach 4 Versuchen mit klingeln und klopfen nicht geöffnet. Also blieb mir nur der Anruf beim Vermieter. Dieser hat dann den Mieter erreicht. Rausgekommen ist im Endeffekt dass es ein Defekt an der Klospülung gab. Dies führte dazu, dass Wasser auf dem Badezimmerboden war und sich dies, durch den leicht abfallenden Badezimmerboden, einen Weg in den Flur des Nachbarns und durch meine Decke suchte. Spülung wurde repariert und mir wurde geraten ordentlich zu lüften, damit die Feuchtigkeit verschwindet. Das Gute ist, es ist kein riesiger Fleck und er wird wahrscheinlich sehr schnell trocknen.
Ich versuche gerade einfach Kraft zu sammeln. Ich weiß ich werde sie noch brauchen. Der Mann unterstützt mich so gut wie er kann. Das beschissene an Krankheiten im Umfeld ist ja, dass du nur abwarten und nichts machen kannst. Du kannst nur für die Person da sein. Und auf dich aufpassen und deine Kräfte gut einteilen. Das haben mir die letzten Tage gezeigt. Wenn es wirklich nicht mehr geht, muß ich meine Therapeutin wieder anrufen. 

28.09.2017

I can't be strong, I can't go on

Ich kann gerade einfach nicht mehr. Kann nicht stark sein. Kann nicht richtig schlafen. Kann nicht meine Arbeitsleistung abrufen. Ich werde heute nachmittag zum Arzt, weil ich nicht arbeiten kann. Und mir eventuell überlegen, wieder zu meiner Therapeutin zu gehen. Oder vielleicht in eine Gesprächsgruppe für die Angehörigen von Krebskranken.
Ich hatte diese Woche zum ersten Mal den Gedanken, den Mann zu verlassen. Weil ich dachte, dass er was besseres als mich verdient. Jemanden, der nicht so voller Komplexe und Probleme steckt. Ich weiß, dass das völlig bescheuert ist. Er hat nie etwas gesagt oder getan, was mich auf diese Idee bringen könnte. Seit es ihn gibt, ist so vieles in meinem Leben einfach noch besser geworden. Aber er kann eben auch gerade diese dunklen Schatten auf meiner Seele nicht wegzaubern. Es sind Dinge, die so tief in mir verankert sind, dass ich sie kaum oder gar nicht lösen kann. Die in Extremsituationen nach oben kommen. Und sich dann auch nicht vertreiben lassen.

21.09.2017

We're gonna be strong

Es ist fast Ende September und in Kopf und Herz ist gerade so viel los, dass mir die Worte fehlen. Und die Energie. Abnehmen funktioniert gerade eher mittelprächtig bis gar nicht (hello again emotionales Essen) und ich mache mich deswegen selber gerade ein bißchen fertig.
Anfang des Monats jährte sich für mich ein ganz besonderer Tag. Vor 5 Jahren stand ich beim Lady Gaga Konzert und sagte innerlich zu mir selbst: 'Mach endlich eine Therapie'. Ich hatte im Frühjahr 2012 einen äußerst heftigen emotionalen Zusammenbruch und wußte, es geht so nicht weiter. Dieses Konzert war ein Neuanfang. Ich ließ alten Mist hinter mir, handelte mir teilweise neuen alten Mist wieder ein und begann 2013 meine Therapie. Sie hat mir unglaublich viel gebracht und ich bin froh diesen Schritt gewagt zu haben. Oft hadere ich mit mir und denke, ich hätte es früher tun sollen. Aber man ist halt nicht immer bereit diesen Schritt zu gehen. Manchmal auch jahrzehntelang nicht. Wenn ich heute in den Spiegel schaue, dann sehe ich die, die ich bin. Glücklich, zufrieden, ziemlich verändert. Ich muß nicht mehr eine Rolle spielen oder meine Emotionen verstecken. Ich muß nicht mehr ständig unterwegs sein, um meine Einsamkeit wegzuschieben. Ich kann heute besser denn je alleine sein. Ich denke nicht mehr, dass ich ein vollkommen verkehrter Mensch bin. Ich habe noch einige Sachen vor mir, die ich verändern möchte. Aber ich habe keine Angst mehr. Ich schaffe das. Ich bin eine Überlebende. Meine Familiengeschichte hat mich nicht kaputt gekriegt, dann schafft es wohl auch niemand. Ich weiß das klingt stark, aber stark bin ich nicht ständig. Und gerade mal gar nicht.

Seit einigen Wochen bange ich jetzt um eine mir sehr nahestehende Person. Diese Person war vor 10 Jahren an Krebs erkrankt und hat dies glücklicherweise überstanden. Aber das Schicksal, oder welches Arschloch auch immer, hat sich entschieden diese Person ein zweites Mal zu prüfen. Der Krebs ist zurück. An einer anderen Stelle, aber er ist wieder da. Ich bin meistens stark, aber gerade haut es mich oft um. Das Kalorien zählen funktioniert nicht. Stattdessen oft unkontrolliertes essen meinerseits. Ferner verfolgen mich momentan Menschen aus der Vergangenheit bis in meine Träume. Männer, die es mal gab und zu denen ich seit Ewigkeiten keinen Kontakt mehr habe. Mir ist es letzte Wochenende passiert, dass ich aus einem Traum hochschreckte, kurz wach war und dann wieder zurück in genau diesen Traum fiel. Ich versuche gerade einfach den Kopf hochzuhalten, positiv zu denken und der Dinge zu harren, die da kommen. Zum Glück ist der Mann gerade mein Fels in der Brandung. Der kann, wie er es selber ausdrückte, bei schlechten Nachrichten zwar oft nix sagen, weil ihm die Worte fehlen. Aber er kann einfach meine Hand nehmen und sie halten, während ich unkontrolliert weinen muß. Und er ist einfach da, wenn ich ihn brauche.

02.08.2017

Enden, Anfänge und that crazy little thing called love

Ich ahne, das wird ein langer Text. Am 22.7. habe ich mein bisheriges Tiefstgewicht erreicht. 72,2 Kilo. Seitdem habe ich wirklich nur zwei Mal gesündigt und bin brav unter 1500 Kalorien geblieben. Und was sagt die Waage mir: Zugenommen! Ok, ich hatte zwischendurch hormonelle Wassereinlagerungen (ich muß jetzt hier nicht ins Detail gehen), aber das sollte eigentlich nun vorbei sein. Aber aus irgendeinem Grund bin ich nicht, wie ich eigentlich dachte, eine U72, sondern eine Ü73. Nervt gerade, aber aufgeben is' nich'. Letzten Samstag waren der Mann und ich shoppen. Für ihn. Denn mittlerweile mußte er etliches aus seinem Kleiderschrank entsorgen, weil es zu groß ist. Aus Spaß zog ich dann mal so eine skinny Jeggings in 38 an. Und sie passt! Es will zwar wirklich niemand sehen, welche Verrenkungen ich beim anziehen mache, aber die Hose sitzt perfekt. Besonders an meinen Beinen. Ebenso konnte ich letzte Woche ein weiteres Oberteil in 38 kaufen. Selbst meine BHs werden inzwischen mal wieder zu groß.
In der Nacht von Sonntag auf Montag hatte ich den wahrscheinlich blödesten Traum seit langem. Ich träumte, ich säße mit dem Bruder vom North Country Boy am Tisch und plötzlich sagt er zu mir, dass ich die einzige Frau wäre, die der Boy jemals geliebt hätte. Ich habe dann laut angefangen zu lachen, und meinte nur, dass mein Herz jemand anderem gehört. Als ich Montag aufwachte, fühlte ich mich wie gerädert.
Abends dann auf den Geburtstag von der Tante des Mannes. Ein entspannter und lustiger Abend. Und als der Mann da so neben mir saß und den Arm um mich legte, hat mich einfach mal komplett meine Liebe zu ihm überrannt. Er ist einer der Gründe, warum ich glücklich bin und mich so unglaublich wohl fühle. Weil ich einfach ich sein darf. Ungefiltert, ungeschminkt und manchmal auch unglaublich nervig. Er liebt mich trotzdem. Neben ihm fühle mich mich geborgen, sicher und noch besser als ich es eh schon tue. Es sind immer wieder kleine Momente, die mir zeigen, was er mir bedeutet.
Ich habe gegen Ende der letzten Woche noch einen großen Schritt gewagt. Ich habe Regaine abgesetzt. Vor 10 Jahren wurde bei mir androgenetischer Haarausfall diagnostiziert. Verdanke ich einem erhöhten Testosteronspiegel durch das jahrzehntelange Übergewicht. Nachdem ich mich ja letztes Jahr von jeder Menge Haaren getrennt habe und nun alle 5 Wochen zum Frisör gehe, ist mir kürzlich aufgefallen, dass mein Haarausfall so gut wie verschwunden ist. Das gibt mir die Hoffnung, dass sich mein Hormonhaushalt eventuell normalisiert hat. Ich werde das jetzt mal weiter beobachten. Sollte der Haarausfall wiederkommen, muß ich halt wieder in die Apotheke. Ich bleibe jetzt einfach mal optimistisch.

13.07.2017

Dear Mama

Ich kaue jetzt seit fast 3 Wochen an diesem Text rum. Daran, dass meine Mutter sich nicht ändern wird. Daran, dass mal wieder ihr Ego gekränkt wurde. Dass sie etwas nicht früh genug wußte. Ich wußte wirklich nicht, dass es so schlimm ist, wenn man nicht alles sofort weiß. Ich bin müde, erschöpft, ausgelaugt. Nach einem weiteren komischen Telefonat am vergangenen Montag rufe ich jetzt nicht mehr an. Ich habe keine Lust mehr, mich blöd anmachen zu lassen. Mir dumm kommen zu lassen. Ich kann es nicht. Gerade nicht. Und wenn es so weiter geht, dann breche ich endgültig den Kontakt ab. Ich will drüber stehen, aber ich schaffe es nicht.

12.06.2017

Birthday Katze on the run

5 Jahre schreibe ich nun hier über die Dinge die mich bewegen. 5 Jahre, in denen sich so viel verändert hat. In denen, vor allen Dingen, ich mich verändert habe. Von unglücklich und am Boden zu glücklicher und häufiger mal ohne Bodenhaftung (was durchaus positiv gemeint ist).
Von adipös zu normalgewichtig, von langen zu kurzen Haaren. Von 'mich den falschen Männern an den Hals werfen' zu 'endlich den einen kennen- und liebenlernen' (sogar ganz ohne werfen ;). Von fehlendem Selbstbewusstsein zu einem gesunden. Unsicherheiten und emotionale Löcher nicht mehr mit Essen stopfen, sondern sie zulassen. Mich nicht immer von ihnen steuern lassen. Fehler und Macken akzeptieren und wissen, dass man eigentlich gar nicht so übel geraten ist.
Gefühlt bin ich einen langen Weg gelaufen. Und in vielem endlich bei mir angekommen. Ich weiß jetzt, dass ich nicht verkehrt bin. Ich weiß jetzt, dass kein Mann die eigenen emotionalen Löcher flicken kann. Selbstwertgefühl bzw. Selbstbewusstsein darf niemals vom Partner abhängig sein. Ich bin in den letzten Jahren ziemlich selbstverständlich immer auf den gleichen Typ Mann reingefallen. Neben dem ich mich klein gefühlt habe, häßlich. Bei dem ich froh war, dass er mich überhaupt angeguckt hat, weil ich ja so schäbig war. Diese Erkenntnis war lang und schmerzhaft, geprägt von Rückschlägen (siehe North Country Boy). Ende 2014 habe ich endlich gelernt, dass es anders geht. Dass ich mich nicht verstellen muß. Dass ich einfach mal die sein darf, die ich bin. Mit Ecken, Kanten und Fehlern. Und dass ich trotzdem, oder gerade deswegen, geliebt werde. Als ich den Mann zum ersten Mal auf einem Bild sah, wußte ich dass er es ist. So verkitscht romantisch das klingen mag. Es war irgendwas an ihm, dass mich dies spüren ließ.
Wahrscheinlich merkt man, dass es mir gut geht, weil es hier ziemlich ruhig geworden ist. Mein Leben findet halt mehr in der Realität statt und weniger virtuell. Und das gefällt mir so auch ziemlich gut.
Aufhören zu schreiben werde ich aber trotzdem nicht. Und mich weiterhin über Rückmeldungen und über stille Mitleser freuen <3.

07.06.2017

U73 - 2 Jahre Fettlogik überwinden

Vor exakt zwei Tagen hatten 'Fettlogik überwinden' und ich unseren 2. Jahrestag. Vor zwei Jahren las ich in einer Nacht- und Nebelaktion das Buch und beschloß, etwas an meinem Gewicht von 105,4 Kilo zu ändern (Höchstgewicht war bei mir 120 Kilo). Das Buch war mein Augenöffner. Es half mir, die Kontrolle über meinen Körper zurückzugewinnen. Mein Körper und ich sind heute eine selbstverständliche Einheit. Er ist viel schmaler geworden, gleichzeitig aber auch viel stärker. Ich habe jetzt Muskeln, bin aber immer noch skinny fat (was sich in den nächsten Monaten noch ändern wird). Ich habe keine Knieschmerzen mehr, kann mich ohne Schwierigkeiten bewegen und stehe fest mit beiden Füßen im Leben. Etwas, was ich vorher nicht war. Mir ist bewusst geworden, dass ich übergewichtig sehr oft gestolpert bin oder generell unsicher auf den Füßen war. Vor einem Jahr erreichte ich Normalgewicht. Und wurde dann faul. Ich verlor mein Zielgewicht (68 Kilo) aus den Augen, nahm wieder etwas zu, wieder etwas ab etc. Seit ein paar Tagen läuft es aber wieder. Und so kann ich heute stolz verkünden, dass ich jetzt eine U73 bin. Top motiviert bis in die Haarspitzen, um mein Ziel zu erreichen. Seit ich das Buch zum ersten Mal las, sind 32,6 Kilo runter. Mit der vorherigen Abnahme sind es insgesamt 47,2 Kilo. Wenn ich diese Zahlen sehe, kann ich überhaupt nicht glauben, was da mit mir passiert ist. Würde mir heute jemand sagen, dass ich jetzt 47 Kilo tragen müsste, würde ich wohl zusammenbrechen.
Aus meinem Umfeld gibt es weitere Erfolgsnachrichten. Den Mann hat es auch gepackt und er hat mal eben 22 Kilo in 4 Monaten abgenommen (Mich hat seine Figur übrigens nie gestört. Ihn meine auch nicht, denn er hat mich mit 110 Kilo kennengelernt). Es war spannend, ihn bei der Abnahme zu begleiten, so wie er es bei mit tat bzw. noch tut. Außerdem bin ich Dank ihm wieder neu motiviert, endlich das Ziel zu erreichen.
Mein Körper hat die Abnahme ziemlich gut verkraftet. Natürlich hängt da Haut, aber es hätte viel schlimmer sein können. Außerdem bildet sich auch immer noch etwas Haut zurück. Sind wir mal ehrlich: Narben haben wir doch alle. Und sie erzählen Geschichten. Unsere Geschichten. Unsere Kämpfe. Unsere Veränderungen.
Mein Körper und ich sind jetzt in einer entspannten Beziehung. Wir vertrauen uns. Wir probieren neue Dinge aus. Ich habe skinny jeans für mich ebenso entdeckt, wie baggy pants. Mittlerweile müssen meine Oberteile nicht mehr lang sein. Und ich trage zum ersten Mal seit 13 Jahren wieder kurze Haare. Weg von überschulterlangem Haar, hin zu einem Pixie Cut. Lange Haare passten irgendwann einfach nicht mehr zum schmalen Gesicht. Durch die Abnahme hat sich mein hormoneller Haarausfall auf ein Minimum reduziert.
Wenn ich jetzt über die Straße laufe, habe ich nicht mehr das Gefühl angestarrt zu werden. Wobei ich vor zwei Wochen in der U-Bahn angeschaut wurde. Aber am Lächeln der unheimlich hübschen Dame, konnte ich ablesen, dass sie mein Outfit und den Haarschnitt irgendwie ziemlich cool fand.
Was ich definitiv noch lernen muß, ist das dickere Fell im Bezug auf die Mitmenschen. Ich bin sportsüchtig, zu dünn, jetzt wäre doch mal gut mit abnehmen etc. Merke, es wird schwierig, wenn jemand ausbricht und sich verändert. Und das, ohne sich dabei den Stoffwechsel kaputt zu machen oder im Hungermodus zu sein ;). Als wäre man eine Bedrohung. Ganz ehrlich, mir ist das Gewicht meiner Mitmenschen egal. Nur erzähl mir einfach keinen Mist mehr in Bezug auf Diäten und Ernährung. Da kann ich dann wirklich nicht mehr meinen Mund halten.
'Fettlogik überwinden' kam genau zur richtigen Zeit. Ich war an einem Punkt, an dem ich meine inneren Veränderungen endlich nach außen bringen mußte. Ich wollte einfach nicht mehr die passive Person sein, die einfach immer alles erträgt und keine Kontrolle hat.
Zum Schluß möchte ich, neben der Academy, Robin und Nadja danken. Ich finde, dass kann man gar nicht genug. Ihr seid wunderbar und inspirierend. Und danke auch an die Menschen in meinem realen und virtuellen Leben. Ich bin froh euch zu kennen (auch wenn es virtuell nur ein bißchen ist ;).