14.11.2018

I look inside myself and see my heart is black

'Es ist nicht schön zu sehen, wie du leidest und nicht wirklich was tun zu können' . Ich glaube das war der Satz vom Mann, der mich am Wochenende wach gemacht hat. Seit einigen Wochen zieht mich vieles runter und proportional dazu mein Gewicht nach oben. Ich bin inzwischen wieder eine U80, trage in Hosen wieder eine 42 und reagiere darauf gerade extrem gereizt.
Ich bin in dem alten Kreislauf aus Schmerz, Essen und zunehmen gefangen. Letzte Woche haben mich zusätzlich noch heftige Verspannungen in Rücken, Schultern und Nacken außer Gefecht gesetzt. Ich war an diesem berüchtigten 'Ich kann nicht mehr' Punkt. Was macht man da?
Man versucht erstmal seinen Schmerz raus zu lassen. Die ganzen negativen Gefühle los zu werden. Wütend zu sein auf die Menschen, die einem den ganzen Scheiß in der Kindheit erfolgreich eingepflanzt haben. Und man löscht Instagram. Weil man einfach nicht mehr auf die Abnehmaccounts und Klugscheißer*innen kann. Die sich zu selbsternannten Fettlogik Expert*innen erklärt haben und dabei so dermaßen übergriffig sind und Leute an den Pranger stellen.
Man zieht sich zurück ins Privatleben, kann beim Mann einfach allen Schmerz rauslassen und rappelt sich langsam wieder auf. Ist stolz darauf, dass man einen neuen Lattenrost für's Bett alleine zusammen bauen kann. Und freut sich ein bißchen darüber, dass der Mann einem sagt, wie stolz er auf meine handwerklichen Fähigkeiten ist. Man kauft Konzertkarten für März 2019. Man fängt Montags endlich wieder mit dem Kalorien zählen an und macht in der Mittagspause einen kleinen Spaziergang. Erfreut sich am Herbstlaub und der Sonne. Man ist bei der Arbeit wieder entspannter, ruhiger, insgesamt mehr bei sich. Und man erinnert sich daran, dass man dieses, manchmal unerträglich beschissene, Leben jetzt schon fast 41 Jahre lang aushält. Dass immer der Mut gefehlt hat, es zu beenden. Und dass da immer etwas ist, was einen am Leben hält.

03.10.2018

Somebody that I used to know

Gestern habe ich zum ersten Mal seit langer Zeit ein Lied gehört, welches mich an eine Person aus meiner Vergangenheit erinnert hat. Eine Person, die in der Zeit um 2005/2006 in mein Leben trat und plötzlich einen riesigen Platz einnahm. Lange Zeit wurde mir bei genau diesem Lied mein Herz schwer. Ich dachte immer daran, wie blöd ich mich verhalten habe und was alles passiert ist. Gab mir die Schuld für alles was passiert ist und machte mich klein.
Gestern war es anders. Ich verbinde das Lied nicht mehr mit dieser Person. Ich verbinde es mit niemandem mehr. Nur noch mit einer meiner Lieblingsbands. Meine Vergangenheit kann ich nicht mehr ändern. Ich habe sie akzeptiert. Ich weiß, welche Fehler ich gemacht habe. Ich bereue sie. Aber ich kann sie nicht mehr ändern. Sie prägen mich und sie haben mich verändert. Sie haben mich zu der Person werden lassen, die ich heute bin. Die Männer aus meiner Vergangenheit verschwinden immer mehr. Der Mann hat sie alle weggewischt. Höre ich heute ein Liebeslied, denke ich an ihn. Denke ich generell an Liebe, denke ich an ihn. Denke ich daran, wem ich wirklich etwas bedeute, denke ich an ihn. Ich kann heute endlich all die Lieder hören, ohne sie mit meiner schmerzhaften Vergangenheit zu assoziieren. Ich kann durch all die Straßen laufen, die mich an die Vergangenheit erinnern, ohne von ihr erschlagen zu werden. Weil ich einfach nicht mehr die naive Person von damals bin. Weil meine Selbstsicherheit stark geworden ist. Und weil mich die Umwelt und die Männer eh nicht mehr erkennen würden.

30.06.2018

When June becomes July

Es ist Juli. Sommer. Die Hälfte von 2018 ist bereits rum. Und ich habe immer noch kein Zielgewicht. Aktuell steigt mein Gewicht wieder. Zu viele Süßigkeiten, Fast Food etc. Es gibt keine Ausreden, keine Entschuldigungen. Ich stopfe mich gerade einfach voll. Sport vernachlässige ich auch häufiger. Heute morgen kratzte die Waage an 80 Kilo. Und jetzt reicht es. Keine Ausreden mehr, kein Gejammer und kein 'morgen wird es bestimmt wieder besser'. Ich habe mich am Mittwoch im Fitnessstudio angemeldet und ab kommende Woche trainieren der Mann und ich zusammen. Ab Montag wird wieder vernünftig gegessen und Kalorien gezählt. Auf noch etwas werde ich ab Juli verzichten. Auf Wasser in Plastikflaschen. Ab jetzt wird Leitungswasser getrunken. Ich komme mir wirklich vor die die letzte Umweltsau, weil ich Plastikflaschen kaufe. Ich habe mir nun endlich auch eine dauerhaft nutzbare Flasche für die Arbeit, sowie einen Thermobecher, zugelegt. Ich habe mir auch einen Wasserfilter gekauft (über Sinn und Unsinn kann man natürlich gerne diskutieren, muß man aber nicht). Bis Ende Juli läuft noch das Projekt, in dem ich momentan arbeite und es ist jetzt schon eine Horrorvorstellung zurück in meinen alten Job zu gehen. Drückt mir die Daumen, dass es eventuell eine Verlängerung gibt. Erstmal beginnt Montag meine Urlaubswoche und ich freue mich auf Mann, Sonnenschein und lesen.

17.06.2018

Living is easy

So viel hat sich seit dem letzten Eintrag getan. Seit Mitte Mai unterstütze ich eine andere Abteilung, arbeite 30 Stunden die Woche und in Gleitzeit. Es läuft nicht alles rund, aber die Kollegen sind super und ich komme mit einer gewissen Struktur ziemlich gut klar. Ich gehe relativ früh schlafen, mache vor der Arbeit Sport und erledige nach der Arbeit alles andere. Außerdem kann ich mich finanziell etwas regenerieren.
Dafür lief essen in den letzten Wochen gar nicht. 5 Kilo habe ich Zeit Anfang Mai zugenommen. Ich neige immer noch dazu emotionalen Mist mit Essen zu kompensieren. Seit einer knappen Woche läuft es wieder besser. Ich habe im Moment keinen Zeitpunkt, wann das Zielgewicht erreicht werden soll. Ab nächsten Monat soll es auch ins Fitnessstudio gehen. Sachen sind bereits gekauft.
Mit dem Mann ist weiterhin alles ganz wunderbar. Ich war in meinem Leben noch nie so bei mir und genau deswegen funktioniert diese Beziehung auch. Keine übertriebenen Erwartungen. Keine Forderungen, sondern einfach Seite an Seite. Egal was passiert. Es ist so, als ist er ein Teil von mir. Seiner Liebe kann ich mir immer sicher sein und keiner von uns spielt Spielchen. Unsere gefühlt sagen wir offen. Es ist wunderbar, wenn du Freund, Liebhaber und Kumpel in einer Person hast. Ich habe von so einer Beziehung geträumt, aber befürchtet sie nie zu finden.

20.04.2018

Some people wanna die, so they can be free

Mein Papa wäre heute 75 geworden. Den ganzen Tag kämpfte ich immer mal wieder mit Gedanken an ihn. Lächelte, und mußte 1-2 Mal ein Tränchen wegdrücken. Ich habe erst nach dem Tod meines Vater Frieden mit ihm geschlossen. Akzeptiert, dass die Dinge so passiert sind, wie sie passiert sind. Ich erwische mich mehr dabei, an die guten Dinge zu denken, die ich mit ihm erlebt habe.
Daran, dass er auf alles eine Antwort wußte. Dass er Musik geliebt hat. Gerne Radio gehört hat. Einen speziellen Sinn für Humor hatte.
Ich will mich weniger daran erinnern, dass er psychisch krank und Alkoholiker war. Was ich zum Glück nicht mehr so richtig mitbekommen habe. Ich kann keine Menschen ertragen, die durch Alkohol aggressiv werden. Ich kann eine bestimmte Tonlage bei Männern nicht ertragen. Ich konnte den manischen North Country Boy nicht mehr in meiner Nähe ertragen. Ich hatte Angst. Dieselbe Angst, die ich zum ersten Mal als Kind spürte. Als mein Vater bei meinen Besuchen kaum sprach und vor sich hin starrte. Ich weiß heute, dass er krank war. Aber als Kind konnte ich natürlich nicht damit umgehen. Ich wollte ihn nicht mehr sehen, ich hatte Angst vor ihm.
Ich bin dankbar, dass ich die häusliche Gewalt nicht mit erlebt habe. Nichts davon gesehen oder gehört habe. Dafür habe ich andere Sachen gesehen, gehört und erlebt.
Meine Eltern haben schlimme Dinge durchlebt. Dinge, die sie zu den Personen gemacht haben, die sie heute sind bzw. waren. Ich hätte so gerne andere Eltern gehabt. Eine intakte Familie. Kein Scheidungskind sein. Eltern haben, denen man wichtig ist. Die einen schützen und behüten.
Ich hatte so etwas nur zum Teil. Und all diese Umstände haben mich zu der werden lassen, die ich heute bin. Ich lebe mit der Erkenntnis, dass ein Teil meines Vaters innerlich schon vor vielen Jahrzehnten gestorben ist. Als dann der Krebs kam und mein Vater jede Behandlung abgelehnt hat, habe ich mir nur noch gewünscht, dass es schnell geht. Dass er sich nicht quält. Dass seine Seele endlich ihren Frieden findet.
Papa, es gab und gibt bestimmt bessere Väter als dich. Aber es gibt da immer noch Momente, an die ich mich gerne erinnere. Die, in denen du wirklich ein richtiger Vater für mich warst. Momente, in denen du ganz stolz Menschen erzählt hast, dass ich deine Tochter bin. Und so aussehe wie du. Momente, in denen du alle meine Fragen beantworten konntest. Mögest du deinen Frieden gefunden haben. Das ist meine einzige Hoffnung. Und ein Gedanke, der mich immer tröstet. Niemand kann dir jetzt noch etwas tun. Und kein Dämon kann dich mehr verfolgen.

23.03.2018

Ziele und Veränderungen

Fasten ist vorbei, ich esse wieder. Die nächsten zwei Tage erstmal wenig, aber das soll so sein. Mir ist fasten diesmal überraschend leicht gefallen. Und noch überraschender hat sich eine Menge auf der Waage getan. Sonntag hat sie noch 4 Kilo mehr angezeigt. Natürlich ist das meiste davon Wasser. Aber eben nicht nur. Ich bemerke gerade, dass mein Energielevel noch relativ niedrig ist, was aber an den wenigen Kalorien liegt, die ich gegessen habe. Und natürlich hat mir Eiweiß komplett gefehlt. Das wird sich die nächsten Tage aber ändern. Ich habe Lust auf Salat mit Kichererbsen, mein Lieblingsbrot, Mozzarella, Kartoffeln und jede Menge Gemüse. Eventuell gönne ich mir Sonntag sogar ein bißchen Kuchen. Und abends dann einen Salat. Das habe ich schon gestern beschlossen.
Mit meinem Kopf ist in den letzten Tagen viel passiert. Als ich das fasten begann war ich wütend und bitter. Aktuell ist davon nichts mehr übrig. Ich bin ausgeglichen und entspannt. Ich ruhe in mir. Die Zeit wurde genutzt um nochmal 'Fettlogik überwinden' zu lesen und Pläne für die weitere Gewichtsabnahme zu machen. Ich werde das jetzt schaffen. Und ich will das schaffen. Es sind nur noch ein paar Kilos. Und den trete ich jetzt in den Hintern.
Vor ziemlich exakt 4 Jahren habe ich das erste Mal gefastet. Vorangegangen war eine vermeintliche Halsentzündung, die sich als Verätzung der Speiseröhre durch Magensäure rausstellte. Mein damaliges Ich trank Cola in rauhen Mengen, aß viel fettiges Fertigzeugs und nahm häufiged mal Säureblocker. Ich weiß noch, dass ich beim ersten fasten dachte, ich würde einen Dämon aus meinem Körper lassen. Ich verzichtete nach dem fasten komplett auf Cola, trank stattdessen stilles Wasser und Kräutertee und entschied mich, wieder vegetarisch zu leben. Meine Eisenwerte waren danach zwar im Keller, aber die habe ich inzwischen im Griff. Ein paar Kilos gingen runter und ich sah viel gesünder aus. Ich fühlte mich auch besser. Heute wiege ich exakt 46 Kilo weniger als damals. Ich kann mich ohne Schmerzen bewegen und ich habe seit 4 Jahren keinen Säureblocker mehr nehmen müssen. Noch etwas ist übrigens seit Juli letzten Jahres anders. Ich habe mein Mittel gegen hormonellen Haarausfall abgesetzt. Und ich habe praktisch keinen Haarausfall mehr. Mag vielleicht auch an der Trennung von alten Zöpfen liegen, aber es ist schön dies hinter sich lassen zu können. Ich möchte noch mit richtigem Krafttraining anfangen. Mir fehlt aber momentan das Geld für die Muckibude. Aber auch das wird sich ändern. Im Moment bin ich stolz auf das erreichte und bereit für die kommenden Dinge.

19.03.2018

A new me

Ich faste gerade. Trinke nur Wasser, Tee und Gemüsebrühe. Seit Sonntag. Heute war ein erstes kleines Tief da, aber ich habe es überwunden.
Viel emotionale Scheiße ist in den letzten Wochen passiert. Viel Wut, viel Traurigkeit, viel Selbstzerfleischung. Und viel essen. Viel zu viel. Emotionales Essen, von dem ich dachte ich hätte es unter Kontrolle. Meine Waage hat sich wieder nach oben bewegt und meine Einkäufe bestanden teils aus 2-3 Tüten Weingummi oder Lakritz und gerne mal Schokolade und Flips. Ich habe mein normales Sättigungsgefühl verloren. Habe schnell und hektisch geschlungen und das alles mit Wasser runtergespült.
Damit soll jetzt Schluß sein. Ich möchte immer noch mein Zielgewicht erreichen. Und das fasten soll mir eine erneute Motivation sein. Denn danach fällt mir vieles immer einfacher. Viel einfacher. Oder ich mag Dinge überhaupt nicht mehr. Vor 4 Jahren habe ich aufgehört Fleisch zu essen und Cola bzw. andere Softdrinks zu trinken. Diesmal möchte ich von den Süßigkeiten wegkommen. Mir vielleicht höchstens ein Mal die Woche ein Leckerchen gönnen. Und wieder mehr Gemüse und Salat essen.
Ich kann jetzt schon positives vermelden. Mein Bauch ist wieder flacher. Und die Waage ist auch schon nach unten gegangen. Ich bin innerlich ruhiger. Und all die negativen Emotionen sind verschwunden. Ich habe noch 3 Tage vor mir, ab Freitag werde ich langsam wieder essen. Ich freue mich drauf.
Aktuell liegen hier noch zwei Bücher rum, die ich lesen will. Und ich sollte mal weniger im Netz abhängen

16.02.2018

I can't save them, they can't save me

Mein erster Text im neuen Jahr. Das Wetter, sprich die ständige Dunkelheit, hat mir all meine Energie geraubt. Sport passiert gerade selten bis gar nicht. Kalorienzählen funktioniert auch nicht so ganz. Rückschläge müssen scheinbar sein. Damit man sich wieder daran erinnert, was man schon geschafft hat. Und was man vielleicht noch schaffen wird.
Ich hatte mich auf eine interne Stelle beworben, bei der ich nur knapp gescheitert bin. Sehr viel Lob, sehr viel Potenzial gezeigt und genau so weiter machen. Ich werde also die Augen offen halten und schauen wohin der Weg geht. Ich möchte ungerne das Unternehmen verlassen und irgendwo neu anfangen.
Was mir positiv aufgefallen ist: Es wird selbstverständlicher für mich vor Menschen zu stehen. Nicht mehr daran zu denken, dass sie mein Aussehen bewerten könnten. Ich fühle mich sehr wohl in meiner Haut. Ich stehe gerade. Aber ich rede immer noch verdammt schnell haha.
Noch ganz andere Dinge sind selbstverständlich geworden in den letzten Jahren. Mich erinnerte ein Bild auf Instagram, auf dem mich das Gesicht des North Country Boys anguckte, daran was wirklich mit mir passiert ist. Mein Selbstwertgefühl hängt nicht mehr von einem Mann ab. Ich habe mich schon vor meiner Beziehung aufgerichtet und gewusst, dass ich mir mehr wert bin, als auf Abruf für ein Arschloch bereit zu stehen, dem ich sowieso scheißegal bin. Der Mann ist jetzt eigentlich nur die Belohnung und Bestätigung für diese Veränderung. Und was für eine Belohnung <3. Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht dankbar dafür bin ihn angeschrieben zu haben. Er hat mich noch einmal ziemlich verändert. Sollten wir uns jemals trennen (was hoffentlich nie passiert), nehme ich aus den gemeinsamen Jahren mit, dass ich schon ganz richtig bin. Also so wie ich bin.
Viele Dinge bleiben aber weiterhin meine Baustelle. Schmerzhafte Entscheidungen treffen zum Beispiel. Und dabei von einem schlechten Gewissen gequält werden. Andere Leute können und dürfen Dinge tun, aber ich tue mich selbst so schwer damit. Ich frage mich immer wieder, ob eine Entscheidung richtig war oder nicht. Aber sie kann nicht falsch sein, wenn sie lang überlegt ist.
Was ich übrigens noch aus den letzten Jahren mitgenommen habe, ist: Keine Angst mehr vor dem alleine sein haben. Ich kann inzwischen wunderbar Zeit mit mir verbringen. Ich brauche keine Dauerbeschallung, keine Menschen. Gar nichts. Ich achte verstärkt darauf, dass es mir gut geht. Dass da Ruhe ist, wenn ich sie brauche.
Die beste Nachricht ist eh: Der Frühling steht vor der Tür. Die letzten Tage schien viel die Sonne und meine Lebensgeister erwachen langsam wieder. Ich plane im März eine Woche Heilfasten und dann einen Neustart für die Endkilos. Und der Mann und ich sind 3 Jahre zusammen. Zeit, die im Flug vergangen ist.

2018, du wirst hoffentlich gut. Mit mindestens so vielen schrägen Momenten wie in 'The Disaster Artist' (ich kann den Film nur empfehlen, vor allen Dingen, wenn ihr die Chance habt 'The Room' mal zu sehen)

30.12.2017

2017

Ein kleiner Jahresrückblick in Stichworten:

In guten Kinofilmen:
Hell or high water, Moonlight, Trainspotting 2, The Party, Atomic Blonde, Killer's Bodyguard, Logan Lucky, Blade Runner 2049, Detroit, The Last Jedi

In enttäuschenden Kinofilmen:
Ghost in the Shell, Kingsman 2

In schlechten Kinofilmen:
Song to Song

In älteren Filmen:
Sicario
Pusher 1-3 (hart und brillant)
Apocalypse Now (dem Mann fiel, dank mir, dann endlich mal auf, dass Harrison Ford mitspielt)
The Raid 1 & 2
Monsters
19
Chungking Express
Fallen Angels
Kein Pardon (wenn der Mann auf der Couch bei Uschi Blums Liedzeile 'Knack mich und back mich' den größten Lachanfall bekommt)

In Serien:
Peaky Blinders Staffel 3 (beste Serie der letzten Jahre)
Game of Thrones Staffel 1-7 (ist wie von vielen prophezeit definitiv eine Serie für mich und ja, ich kenne und liebe einen großen Teil der Besetzung bereits seit Jahren)
This is England '88 und '90 (Warum bekommt man in Deutschland sowas einfach nicht hin?)

In Momenten:
Mann, Freunde, Normalgewicht, Spaziergänge, Kuchen und Plätzchen aus dem inzwischen geschlossenem Lieblingscafé, Nachmittage im Park, in 'Blade Runner 2049' einfach mal sprach- und atemlos sein (setzt beim Thema CGI und auch ansonsten visuell neue Maßstäbe), mehr lachen und wenig weinen, hilflos sein wenn eine Krankheit wieder auftaucht, zusammenbrechen und wieder aufstehen, Human League live sehen, tanzen, endlich DEN Haarschnitt finden, zufriedener sein, sich mehr zutrauen, Pilates, Yoga, lachen können wie Hong Kong Phooey und Barney Geröllheimer, 40 werden und mit einer Simon's Cat Torte und vielen anderen schönen Sachen überrascht werden, am Ende diesen Jahres immer noch um Prince und George Michael trauern, feststellen dass ich die Depeche Mode Singles '81-'85 komplett mitsingen kann

Ich wünsche euch einen entspannten und schönen Start in 2018. Danke für's Lesen, kommentieren, verstehen, Daumen drücken, Anteil nehmen

20.11.2017

Same DNA as stardust

Dies ist der Versuch das gesamte emotionale Chaos der letzten Wochen in einen Text zu packen. Mal schauen, ob es mir gelingt.
Die wichtigsten und besten Nachrichten zuerst. Das Familienmitglied hat die erneute Krebserkrankung überstanden. Tumor wurde, in einer sehr langen OP, entfernt. Ich kann die Emotionen überhaupt nicht beschreiben, die mich während dieser Zeit überrannt haben. Die erste Nachricht schreiben und das erste Mal wieder miteinander sprechen zu können. Dieses Gefühl, wenn der Knoten um dein Herz plötzlich platzt, ist einfach unbeschreiblich. Ich bin gerade glücklicher als glücklich über den Ausgang der Geschichte und schaue optimistisch in die Zukunft. Zwei Mal hat diese Krankheit jetzt bei diesem Menschen zugeschlagen. Ich finde, das reicht jetzt aber wirklich für immer. Man kann sich in so einer Situation noch so oft vornehmen stark und tapfer zu sein, irgendwann kommt der Punkt an dem man zusammenbricht. Ich hatte diesen Punkt ja Anfang Oktober, kann aber verkünden, dass ich nach einer Woche Alleinsein wieder bereit für die Welt draußen war. Inzwischen bin ich innerlich so friedlich und ausgeglichen, dass mir die Arbeit leicht von der Hand geht. Sogar das Abnehmen läuft wieder. Ich habe mir als grobes Ziel gesetzt im Sommer 2018 am Ziel zu sein. Wenn ich nicht komplett eskaliere, wird das wahrscheinlich noch früher was werden. Aber da noch mein Geburtstag und Weihnachten anstehen, will ich mal nicht zu optimistisch sein.
Vor 1,5 Wochen habe ich einen kleinen Trip in meine Vergangenheit unternommen. Mit der Feststellung, dass es gar nicht so schlimm war (ich hatte schlimme Erwartungen) und es Menschen gibt, die mich definitiv nicht mehr erkennen. Meine Veränderung ist einfach unglaublich extrem. Da ich mich jeden Tag im Spiegel sehe, nehme ich das natürlich nicht so stark wahr. Ich habe all die Komplimente mal für schlechte Zeiten abgespeichert. Um mich daran zu erinnern, wenn ich mich gerade mal wieder scheiße finde.

In einigen Tagen werde ich 40, fühle mich wie 20 und werde momentan auf gerade mal 30 geschätzt. Das ist definitiv großartig. Es ist aber auch sehr emotional, da ich mit 15 nie daran geglaubt habe überhaupt so alt zu werden. Ich war ein unglücklicher Teenager und habe mir immer nur gewünscht zu sterben. Mich hat mein Leben angekotzt, meine Unsicherheiten, mein Schmerz. Wenn ich meinem damaligen 15jährigen Ich etwas sagen könnte, dann wäre es: 'Ruf den Psychologen an. Hab keine Angst davor was die Leute sagen. Tu es für dich. Und zieh schnellstmöglich Zuhause aus'. Ich bin in allem immer eine Spätzünderin gewesen. Vielleicht bin ich deswegen gerade froh, dass ich irgendwie einen gewissen inneren Frieden mit mir gefunden habe. Der Frieden mit meiner Mutter wird für immer fragil bleiben. Aber heute weiß ich, dass ich da jederzeit einen Schlußstrich ziehen kann. Ich muß nichts und kann mir aussuchen mit wem ich rede und Kontakt habe.

Ich finde mich gerade gar nicht mal so übel. Es gibt immer Dinge, die besser sein könnten. Aber ganz ehrlich, es könnte aber auch alles viel schlimmer sein. Aber das ist es nicht. Und dieses wärmende Gefühl im Herzen nehme ich mit in mein neues Lebensjahrzehnt.

Danke übrigens für all die gedrückten Daumen und aufbauenden Worte bezüglich des familiären Krankheitsfalles. Das hat einfach alles etwas erträglicher und besser gemacht.