10.06.2022

10/06/2022

Dinge müssen sich ändern. Ich hänge in dieser Endlosschleife aus Wut, Verzweiflung und Lethargie fest. Während mein Körper immer größer wird, schrumpft mein Selbstbewusstsein immer weiter. Und meine Fürsorge für mich. Mein Körper spiegelt mir die Nachteile des hohen Gewichtes auf so viele Arten wieder. Es tauchen Dinge auf, die ich lange verdrängt und vergessen hatte. Ich muß den Mann um Rücksicht bitten, weil ich manch einfache Dinge gerade nicht so gut kann.
Ein Urlaub liegt vor mir. Und ich hoffe, dass mein Kopf endlich mal zur Ruhe kommt.
Ich muß meine Gesundheit wieder an die erste Stelle setzen. Sowohl die mentale als auch die körperliche. 
Ich habe Angst diese Welt wieder ohne Schutzpanzer an mich heran zu lassen. Aber ich weiß, dass ich es irgendwann schaffen werde. 

08.04.2022

08/04/2022

Es kriecht dieses Gefühl in mir hoch und die Stimme meldet sich. Sagt mir, dass ich es nie schaffen werde gut genug zu sein. Der Gedanke krabbelt überall hin. Wie Ameisen. Ich versuche mich selbst mehr zu lieben. Mir Wertschätzung zuzugestehen. Aber ich scheitere immer wieder. Weil der Gedanke, nichts aus mir gemacht zu haben, so tief sitzt. Wie ein Stachel in meinem Fleisch. Den ich nicht ziehen kann. Der sich festgehakt hat und dort bleibt.

12.01.2022

12/01/2022

Dieses Jahr startet definitiv besser als das letzte. Ich bin voll in der Arbeit, nehme gerade größere Hürden und lasse mich kaum ablenken. Dabei achte ich auf mich. Schlafe genug und entspanne. Versuche Bullshit von mir fern zu halten und mehr die guten Dinge an mich zu lassen. Dadurch reduzieren sich gerade meine Essanfälle. Was sich gut anfühlt. Aber auch ein fragiler Zustand ist. Ich versuche gut zu mir zu sein. Mir selber zu sagen, dass ich gut genug bin. Dass ich nicht anderen Idealen hinterher hecheln muß.
Die Bezugspersonen werden immer weniger. Aber auch das stört irgendwie nicht. Die Diskrepanz zwischen dem was Leute sagen und am Ende tun, ist zu groß. Und ich bin zu müde, um zu erwähnen dass ein Geburtstag zum ich weiß nicht wievielten Mal vergessen wurde. Ich lasse Personen einfach gehen. Akzeptiere Dinge, wie sie sind. Konzentriere mich darauf die Sachen meiner Schwester zu regeln. Und habe die kleine Hoffnung, dass wir irgendwann in diesem Jahr eine Trauerfeier vor Ort hinbekommen. Alles fühlt sich unwirklich an. Vor einem Jahr wusste ich, dass sie in absehbarer Zeit sterben würde. Dass es so schnell geht, hat keiner geahnt. Und es gibt immer noch Momente, in denen ich das alles nicht glauben kann. Aber ich muß es akzeptieren und annehmen. Als Tatsache, die ich nie mehr ändern kann. Und die schmerzhaft war, ist und bleibt. Trotzdem geht der Blick nach vorne. Wie sie es gewollt hätte. 

02.01.2022

2021

Ein Jahr ist zu Ende gegangen, von dem ich mir gewünscht hätte, es nie zu erleben. Es war geprägt von Angst und dann (viel schneller als erwartet) von Trauer. Wie blickt man auf dieses Jahr zurück? Versucht man die Lichtblicke rauszupicken, von denen es auf jeden Fall welche gab: Impfung, zurück ins Kino, zurück ins Gym und die vielen Momente mit dem Mann? Oder guckt man auf die schlimmen Sachen wie Eßstörung, Tod der Schwester, ständiges Gefühl von Wertlosigkeit und keine Kraft zu haben, um überhaupt mal Menschen zu sehen?
Ich weiß es nicht. Ich bin froh, dass dieses Scheißjahr vorbei ist. Ich will nie wieder virtuell einer Trauerfeier beiwohnen. Ich lebe immer noch in der Ungewissheit, wann wir die Asche unserer Schwester mal ausstreuen können. Und ich habe kein Verständnis mehr für die Dummheit in dieser Gesellschaft.
Ich fokussiere mich lieber auf die kleine tierische Familie, die im Garten des Mannes eine Heimat hat. Igel, Eichhörnchen, Vögel, Tauben und ab und an mal eine Katze, die entspannt auf der Mauer liegt.
Ich hoffe, dass ich den Nachlass meiner Schwester in diesem Jahr endlich regeln kann. Damit auch der Kontakt zu meiner Mutter endlich gekappt werden kann. Ich will nie wieder auch nur irgendwas mit ihr zu tun haben. Meine Therapie macht mir gerade erst bewusst, was diese Frau alles angerichtet hat. Um all das zu bewältigen, habe ich den besten Partner an meiner Seite. Wann immer ich denke, dass ich nicht genug bin, sagt er mir dass ich es bin. Wann immer ich mich selbst nicht liebe, tut er es. Er ist da, wenn ich ihn brauche. Und auch, wenn nicht. Der beste Grund um weiter zu machen und nicht aufzugeben. 
Ich weiß nicht, wann ich mich psychisch wieder richtig gut fühlen werde. Oder wann die Essanfälle aufhören. Aber ich glaube wieder mehr daran, dass es irgendwann besser werden wird. Meine Schwester hätte nicht gewollt, dass ich aufgebe. 

2021 - Filme, Serien, Bücher, Musik

Filme

Fett und unterstrichen im Kino / mit * zum ersten Mal

  • Ammonite*
  • Ashes of Time Redux*
  • A Taxi Driver*
  • Big Trouble in Little China*
  • Brotherhood of Blades I & II*
  • Deliver Us from Evil*
  • Der Rausch*
  • Der schmale Grat*
  • Detective Pikachu*
  • Donnie Darko
  • Don't look up*
  • Dragon*
  • Drive my Car*
  • Dune*
  • God's Own Country*
  • Happy Together*
  • Helden der Wahrscheinlichkeit*
  • House of flying daggers*
  • House of Gucci*
  • I feel good*
  • In the Mood for Love*
  • Judas & The Black Messiah*
  • Kikujiros Sommer*
  • Last Night in Soho*
  • Ma Rainey's Black Bottom*
  • Minari*
  • Monk comes down the mountain*
  • Night in Paradise*
  • Nobody*
  • Nomadland*
  • Oldboy*
  • OSS 117 - Liebesgrüße aus Afrika*
  • Pineapple Express*
  • Polytechnique*
  • Promising Young Woman*
  • The Bad Batch*
  • The Cured*
  • The French Dispatch*
  • The Green Knight*
  • The Hand of God*
  • The Power of the Dog*
  • The Sparks Brothers*
  • The Trial of the Chicago 7*
  • The Villainess*
  • This is Spinal Tap
  • Tiger & Dragon
  • Tina*
  • Train to Busan*
  • White Boy Rick*
Film des Jahres 'Drive my car', dicht gefolgt von 'Der Rausch', 'The Green Knight', 'Promising Young Woman' und 'The Hand of God'. 'Dune' hat leider ziemlich enttäuscht, was aber besonders daran lag, dass elementare Szenen keinen Platz im Film hatten. Dafür habe ich dann anderweitig endlich 'Polytechnique' gesehen. Der Film ist beeindruckend und erdrückend. Zusammen mit 'Incendies' wohl mein Lieblingsfilm von Villeneuve. Honourable Mentions für Wong Kar-Wai. Sowohl 'In the mood for Love' als auch 'Happy together' sind wunderschöne Filme. Irgendwann im Jahr dachte ich, dass ich Timothée Chalamet wohl am meisten in Filmen sehen werden. Es wurde dann zu meiner Überraschung Chang Chen. Der beste Dr. Yueh, den ich mir hätte vorstellen können. Aber auch da wurde leider zu viel rausgeschnitten. Des weiteren habe ich verdammt viel von Edgar Wright gesehen und besonders bei der 'The Sparks Brothers' Doku auch eine Menge Spaß gehabt. Beeindruckt haben mich 'Oldboy', 'God's Own Country', 'Der schmale Grat' und 'The Power of the Dog'. Beste Synchro geht wie immer an Oliver Kalkofe als OSS 117. 


Serien
  • Aggretsuko Season 4
  • BoJack Horseman
  • Halston
  • Hellbound
  • Pretend It's a city
  • Spaced
  • Squid Game
  • The Silent Sea
  • The Witcher Season 2
  • We are who we are
Hier liefern sich gleich mehrere Serien ein Kopf an Kopf Rennen. Ganz vorne 'We are who we are', 'BoJack Horseman' und 'Squid Game'. Und dann folgen mit 'The Silent Sea' und 'Hellbound' zwei weitere großartige koreanische Serien. 'Pretend It's a city' hat mich sehr oft laut lachen lassen und bei 'Spaced' (hello again Edgar Wright) lag ich stellenweise auf dem Boden 


Bücher
  • Jews don't count - David Baddiel
  • On Connection - Kae Tempest
  • Record, Play, Pause & Fast Forward von Stephen Morris
  • Dune (zweite Lesung diesmal auf Englisch) - Frank Herbert
Wenig gelesen in diesem Jahr, aber 'Jews don't count' hat lange nachgewirkt. Die beiden Bücher von Stephen Morris sind wahnsinnig unterhaltsam und geben einen anderen Blick auf Joy Division und New Order


Musik
  • Paul Weller - Fat Pop Vol. 1
  • The Specials - Protest Songs 1924 - 2012
  • Judas Pries - British Steel
  • Iron Maiden - The Number of the Beast
  • Iron Maiden - Piece of Mind
  • Black Sabbath - Paranoid
Im Jahr 1 der Pandemie habe ich mich ja ganz besonders Joy Division und The Smiths angenähert. In Jahr 2 dann Sabbath, Maiden und Priest. Neue Alben von Paul Weller und The Specials haben mich sehr erfreut

29.11.2021

29/11/2021

Ein Jahr älter. Irgendwie nicht weiser. Aber dafür einen kleinen Schritt weiter, was meine Therapie angeht. Meine Therapeutin ist sehr sicher, dass ich an einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung leide, dem impulsiven Typ. Keine Borderlinerin, aber nahe dran. Meine Eßstörung ist ein Bestandteil des großen Ganzen. Und je mehr ich darüber lerne und mich betrachte, desto offensichtlicher wird es. Ist es eine Erleichterung zu wissen, was los ist? Definitiv ja. Macht es die Dinge einfacher? Natürlich nicht. Ich kann nun bestimmte Situationen besser nachvollziehen und auch für mich aufschlüsseln. Aber es liegt so viel Arbeit vor mir.
Für mich ist es wichtig zu sehen, dass ich mich nicht anstelle (typische Aussage meiner Mutter) oder mir etwas einbilde. Es sind Dinge passiert, die dafür gesorgt haben dass diese Störung da ist. Und es wird ein hartes und schmerzhaftes Stück Arbeit alles aufzudröseln. Momentan denke ich, dass ich einfach aufgeben sollte. Aber tief in mir ist weiterhin der Gedanke, dass es mir irgendwann besser gehen wird. Und ich mit meinen Emotionen richtig umgehen kann. Und mich selber nicht mehr klein rede oder mich für wertlos halte

03.11.2021

03/11/2021

Ich versuche, gut zu mir selbst zu sein. Besser mit mir umzugehen. Und mich bewusster wahrzunehmen. Nicht mehr meine Mutter aus mir sprechen zu lassen.
Kleine Änderungen in den Alltag zu integrieren. Morgens schneller aufstehen, Einkäufe vor der Arbeit erledigen. Abends früher den Flugmodus einschalten und wieder lesen. Außerdem eigene Gedanken festhalten. Und mich mal wieder von Spielen, Filmen und Musik berühren lassen. 
Heute Morgen ein kleiner Weinanfall unter der Dusche. Weil ich an meine Schwester denken musste. Immer noch nicht komplett mit der Trauer umgehen können. 
Mich insgesamt ruhiger fühlen. Als sei letzte Woche ein Knoten geplatzt. Der Schlüssel ist in meiner Hand und ich darf Angst davor haben, dieses Schloß zu öffnen. Ich muss es tun. 

01.11.2021

Aus Ihnen spricht ihre Mutter

Ungefähr der letzte Satz, den ich gesagt bekommen möchte. Dabei ist es so wichtig genau diesen Satz zu hören. Damit endlich dieser Damm bricht und ich den Mut finde, die schmerzende Wunde zu öffnen. Letzten Donnerstag einen Termin bei der Therapeutin. Beim Aufwachen und auf dem Weg zu ihr noch ziemlich gut gefühlt. Als ich bei ihr im Raum sitze und sie mich fragt, wie es mir geht, bricht irgendwas. Ich sage, dass ich es nicht weiß. Ich weiß nicht, was ich antworten soll. Ich weiß nicht, ob es mir irgendwann mal wieder besser geht und ob ich überhaupt noch weiter machen kann und will. Es folgt ein unglaublich heftiger emotionaler Zusammenbruch. Von dem ich selber immer noch nicht weiß, wo er her kommt. Ich sage, dass ich eine Versagerin bin. Ich schaffe es nicht gegen die Essstörung an zu kämpfen. Ich habe nichts im Leben erreicht und rede mich raus, dass ich mich nicht um mich kümmern kann, bis der Nachlass meiner Schwester geregelt ist. Meine Therapeutin lässt das nicht gelten, wofür ich ihr unendlich dankbar bin. Sie zeigt mir nicht nur auf, dass ich eine Menge erreicht habe sondern sagt auch die wichtigsten Sätze überhaupt: 'Sie blockieren, weil sie sich nicht mit dem Schmerz auseinander setzen wollen. Aber egal wie oft sie vor dem Schmerz weglaufen, er wird sie wieder einholen. Aus Ihnen spricht ihre Mutter'. Sie macht mir bewusst, dass ich eigentlich nur das Gift wiederhole, dass meine Mutter mir jahrelang rhetorisch verabreicht hat. Und sie zeigt mir sehr deutlich auf, dass die Auseinandersetzung damit der Schlüssel zu meiner Essstörung ist.

Nach der Sitzung fahre ich emotional angekratzt nach Hause. Aber im Laufe des Tages geht es mir besser. Ich fühle mich insgesamt ruhiger und ausgeglichener. Ich muss aufhören Ausflüchte zu finden und mich der ganzen Scheiße stellen. Egal, wie schmerzhaft es wird. Ich muss das aushalten, sonst wird es mich ein Leben lang immer wieder an den Punkt bringen, an dem ich nicht mehr kann. Ich muss aufhören, meiner Mutter immer noch diese Macht zu geben. Niemand darf diese Macht über mein Leben haben. Ich werde ihr wahrscheinlich nie verzeihen können. Weil sie einfach nicht in der Lage ist zu verstehen, was sie getan hat und weil sie nie Reue zeigen wird. Aber ich muss ihre Mechanismen aus meinem Bewusstsein bekommen. Mir nicht einreden, dass ich ein Stück Scheiße bin. Und nicht das Kind, was sie wollte. Ich bin da. Ich habe das Recht zu existieren, zu leben wie ich will und glücklich zu sein. So wie ich bin. Ob es ihr passt oder nicht


18.08.2021

18/08/2021

Der Mann und ich hatten letztes Wochenende eine interessante Diskussion. Darüber, wie lange man öffentlich trauern darf. Beziehungsweise, wie lange einem Trauer zugestanden wird. 
Ich bin gerade in einer dieser Phasen, in der ich trauere. Weil bewusst wird, dass ich meine Schwester nicht mehr wiedersehen werde. Dass unsere letzte Umarmung, von der ich nicht wusste dass es die letzte sein wird, mittlerweile zwei Jahre her ist. Jeder Donnerstag der kommt, macht mir deutlich dass wieder eine Woche ohne sie vergangen ist. Dass da ein Loch in meinem Herzen ist und es bleibt. 
Ich versuche stark zu sein. Weil sie es war. Aber ganz oft breche ich. Falle. Und schaffe es eben nicht immer wieder aufzustehen. Aber wie erklärst du anderen Menschen, wie es nach fast 5 Monaten ohne sie ist. Dass dein Leben nicht mehr so ist, wie vorher. Dass du nicht so belastbar bist. Dass du jetzt keinen Bock hast deinem Kollegen, auf den du dich eh nicht verlassen kannst, mal wieder das Ego streicheln zu müssen. 
Du bist letzte Woche Donnerstag an einem Punkt, an dem du sagst, dass du nicht mehr kannst. Du sagst es dem Mann, weil er es aushält. Und weil er einer derjenigen ist, der dich weiter machen lässt. Weil er bedingungslos zu dir steht. 
Du schaffst es nicht, endlich mal wieder ein Buch zu lesen. Weil die Konzentration fehlt und deine Gedanken beim Nachlass deiner Schwester sind. Du hast Angst vor dem, was kommt. Oder ob die Seite deiner Mutter sich einfach wieder wie Scheiße benimmt. 
Du hängst in diesem Loch, aus dem du dich mühsam wieder raus quälst. Stück für Stück. Um dann wieder auszurutschen und noch tiefer drin zu hängen. 
Trauer ist ein verdammter Sog. Der dich so tief in deinem Wesen erschüttert und dich in die Tiefe reißt. Sie kaut dich durch und spuckt dich wieder aus. Und du fühlst noch mehr Schwärze um dich herum. 

28.05.2021

28/05/2021

Sich fühlen, als würde man versagen. Weil man einfach einsehen muß, dass es nicht so einfach ist den Nachlass im Ausland zu regeln. Ich kann nicht Arbeit, psychische Gesundheit, Essstörung und den Nachlass jonglieren. Wir müssen unser Geld zusammen kratzen und einen Anwalt nehmen. Damit am Ende niemand von uns einen Fehler macht und wir rechtlich belangt werden. 
Ich kann nicht verstehen, dass man vom bevorstehenden Tod weiß und nichts geregelt hat. Die Pandemie Situation besteht seit mehr als einem Jahr. 
Alles ist ein Schlag ins Gesicht. Ich trauere absolut nicht mehr. Und ich weiß auch nicht, ob ich es in absehbarer Zeit nochmal kann.